Über Schmetterlinge und die Arbeit
In der Welt, auf die wir bereits in rasantem Tempo zusteuern, wird "Arbeit" anders definiert sein. Zahlreiche Studien sagen voraus, dass in den nächsten 20 Jahren bis zu 50% unserer heutigen Jobs durch künstliche Intelligenz ("KI") und Robotik erledigt werden.
Dies wird alle Prozesse betreffen, die algorithmierbar sind, und das sind viele.
Experten sind sich einig, dass mit der Digitalisierung und dem damit verbundenen Wegfall von durch Menschen ausgeführten Jobs aber andere, neue Jobs entstehen werden.
Mehr denn je werden Eigenschaften gefragt sein, die in der Arbeitswelt heutzutage ein eher
stiefmütterliches Dasein fristen:
Empathie, Kreativität, Intuition.
Querdenker und Visionäre sind gefragt.
Der Sektor Freizeit, Erholung und Gesundheit wird neue Jobs hervorbringen,
und Selbstständigkeit, DIY und Trainings sind ebenfalls Faktoren, die mehr Jobs
kreieren als ersetzen werden, glaubt man einer internationalen Delphi-Studie
des Millennium-Projekts.*)
Wo man hin hört, bekommt man den Eindruck, es ginge darum, die Zukunft so genau wie möglich vorher zu sagen, um bestmöglich darauf vorbereitet zu sein.
Aber ist das überhaupt möglich?
Wohl eher nicht.
Zu komplex ist unsere Welt geworden, alles und jeder ist irgendwie miteinander vernetzt und verbunden, und der berühmte Schmetterlingseffekt hat heutzutage eine ungleich höhere Bedeutung, gerade in der Finanzwelt. Die immer bessere Technologie und breiterer Zugang zum Internet haben zu einer Erhöhung der gegenseitigen Beeinflussung internationaler Märkte geführt.
Das macht das System anfälliger, und Finanzmärkte sind mächtig.
Wie anfällig, das durften wir zuletzt sehr eindrucksvoll im Jahr 2008 erleben, als die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers kollabierte und dieser Höhepunkt einer Weltfinanzkrise beinahe zum totalen Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems führte.
Man rückte zusammen und gelobte Besserung. Die zuvor vorangetriebene Deregulierung des Bankensektors wurde durch eine Reform des Bankensystems teilweise wieder zurückgenommen.
Aber ist die Gefahr damit gebannt?
Ist es ausgeschlossen, dass eine derartige Katastrophe auf eine Flecken der Erde dazu führen kann, die gesamte Welt mit in den Abgrund zu reißen?
Ist es ausgeschlossen, dass eine derartige Katastrophe auf eine Flecken der Erde dazu führen kann, die gesamte Welt mit in den Abgrund zu reißen?
Experten sagen: nein.
Man hätte die Krise von einst dazu nutzen können, etwas wirklich Neues zu schaffen, neue Konzepte zu finden, die der Wirtschaftswelt von heute Rechnung tragen und sie etwas kalkulierbarer machen.
Tatsächlich, so liest man, hat sich die Lage aber noch verschärft.
Die Welt sei ökonomisch und politisch nicht stabiler als damals, sondern vielmehr sei verstärkt eine ökonomische und gesellschaftliche Ungleichheit entstanden, was wiederum dazu führt, dass mehr und mehr Menschen abgehängt werden und wenig dafür getan wurde, dies zu verhindern oder sie wieder mit ins Boot zu holen.
Allein die vermeintliche Weitsicht, die wir mittels Experten und ihren Prognosen erhalten, ist es also nicht getan. Und manchmal braucht es keinen Experten, um vorherzusehen, dass das eine etwas anderes nach sich zieht.
Denker, Visionäre und Kreative, die die Situation vielleicht eher aus der Metaebene heraus betrachtet und bewertet hätten, wären 2008 womöglich einen anderen Weg gegangen, einen, der mehr Wandel beinhaltet hätte.
So wundert es nicht, dass man in Studien zur Entwicklung der Arbeitswelt von morgen liest, dass mit zunehmender Digitalisierung auch zunehmend Eigenschaften gefragt sein werden, die in der Arbeitswelt heutzutage ein eherstiefmütterliches Dasein fristen:
Empathie, Kreativität, Intuition.
Querdenker und Visionäre sind gefragt.
Der Blick über den Tellerrand, outside the box, außerhalb jeder Routine.
Der Sektor Freizeit, Erholung und Gesundheit wird neue Jobs hervorbringen,
und Selbstständigkeit, DIY und Trainings sind ebenfalls Faktoren, die mehr Jobs
kreieren als ersetzen werden, glaubt man einer internationalen Delphi-Studie
des Millennium-Projekts.*)
Ein Grund mehr, unsere Politiker, Schulen, Lehrer, Eltern und Unternehmer zu ermutigen, Veränderung zu wagen.
Jetzt.
Nicht erst, wenn die Veränderungen sie dazu zwingen.
Kreativ und flexibel zu sein, sich Veränderungen anzupassen und neue Ideen und Strategien zu entwickeln, ist wichtiger, als die Zukunft sekundengenau zu planen.
Hierin liegt meines Erachtens eine der wichtigsten Aufgaben für die jungen und nachkommenden Generationen.
Schon jetzt ist deutlich absehbar, dass es so wie es ist, nicht bleiben kann, will man der Zukunft, die uns mit Sicherheit erwartet, nicht hilflos ausgeliefert sein.
„Arbeitgeber, die mit ihren Beschäftigten hinsichtlich Digitalkompetenz gleichziehen oder voraus sein müssten, Bildungssysteme, die Lernende auf einen gänzlich veränderten Arbeitsmarkt vorbereiten müssten, ein globalisiertes Verständnis und eine globalisierte Verortung von „Arbeit“ und der Übergang bestehender Sozialversicherungssysteme in Systeme des bedingungslosen Grundeinkommens sind nur einige Beispiele für eine andere Perspektive, die aus dieser Zukunftsstudie gewonnen werden kann und die Politik und Zivilgesellschaft in einer Zeit globalisierter Megatrends einnehmen sollten.“ *2)
So liest man in einer von der Bertelsmannstiftung im März 2016 herausgegebenen Veröffentlichung namens „2050: Die Zukunft der Arbeit.“
März 2016, das ist ziemlich exakt drei Jahre her.
Was ist seitdem passiert?
Gefühlt nichts.
Gefühlt nichts.
Nach wie vor geht es um hätte, wäre, könnte, müsste – es lebe der Konjunktiv.
Die beste Zeit für mutige Querdenker, Visionäre und Gestalter.
Ein Umbau des Schul- und Bildungssystems und in weiten Teilen der Unternehmenskulturen ist unausweichlich. Raus aus der Comfortzone, der Tradition und Gewohnheit.
Gerade in Deutschland herrscht noch immer eine gewisse Obrigkeitshörigkeit und ein Untertanengeist.
Schon Jean Paul (1763-1825) sagte "Ein Deutscher ist mit Vergnügen alles, nur nicht er selbst.“ Und Heinrich Heine nannte es "seelische Knechtschaft".
Und so kommt es, dass der überwiegende Teil der Gesellschaft noch heute stoisch alles um sich herum duldet und auch bei Unzufriedenheit und innerem Widerstand seinem Vorgesetzten gehorcht, unpopuläre politische Entscheidungen hinnimmt und sich auch bei ungünstigen Bedingungen seinem Schicksal fügt.
Die Vermittlung von Bildung folgt noch immer uralten Strukturen und Lehrplänen, in Unternehmen finden sich sehr häufig noch klassische Hierarchien und starre Organisationen, und Kreativität und Individualismus gelten zuweilen gar als verschroben, realitätsfern oder aufsässig.
Die Arbeit von morgen ist zwar teilweise vorhersehbar, aber sie birgt auch ein hohes Maß an Unwissenheit und mangelnder Planbarkeit.
So wie das Leben selbst.
So wie das Leben selbst.
Aber gerade hier liegt die Chance zur aktiven Gestaltung.
Die Transformation der Gesellschaften und der Strukturen, in denen wir leben, müssen wir nicht weiterhin stoisch dulden, sondern können als Teil von ihr maßgeblich dazu beitragen, sie zu verstehen und zu modellieren.
Es geht nicht darum, die Digitalisierung und immer weiter fortschreitende Technisierung aufzuhalten. Das wird uns nicht gelingen. Und auch Fortschritt ist ja Bewegung.
Es geht vielmehr darum, sich für den Wandel fit zu machen und sich vom passiven Beobachter zu einem aktiven Gestalter zu entwickeln. Das eigene Potenzial zu sehen.
Wir erhöhen damit unsere Chance auf Teilhabe, Erfolg und Gesundheit um ein Vielfaches.
Wir müssen uns als Teil eines Ganzen begreifen.
Denken wir positiv, nehmen wir die Welt positiver wahr und stecken andere an.
Ernähren wir uns vegan, setzen wir Auseinandersetzungen mit Ernährung in Gang und bringen Bewegung in das Thema Ernährung.
Veränderungen beginnen immer mit einer verrückten Idee, einer Vision, einem Vorreiter, einem Beispiel. Wie ein Dominostein, der eine ganze Reihe in Bewegung setzt, stupst man ihn an.
Die "Fridays for Future", initiiert von Greta Thunberg, einer mutigen Schülerin, sind ein ganz wunderbares Beispiel dafür, wie Veränderung von jedem Einzelnen von uns angestoßen und unterstützt werden kann.
Die "Fridays for Future", initiiert von Greta Thunberg, einer mutigen Schülerin, sind ein ganz wunderbares Beispiel dafür, wie Veränderung von jedem Einzelnen von uns angestoßen und unterstützt werden kann.
Es gibt einen schönen Spruch.
"Alle sagten, das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s gemacht."
So funktioniert Veränderung. Der Schmetterling, das sind wir.
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*1) Die Delphi-Methode (auch Delphi-Studie, Delphi-Verfahren oder Delphi-Befragung genannt) ist ein systematisches, mehrstufiges Befragungsverfahren mit Rückkopplung und ist eine Schätzmethode, die dazu dient, zukünftige Ereignisse, Trends, technische Entwicklungen und dergleichen möglichst gut einschätzen zu können.
Das Millennium Project ist ein internationaler Think Tank mit weltweit 56 "Knoten". Er sammelt Informationen über Zukunftsstudien und produziert seit 1997 jährlich einen „State of the Future“-Report und die „Futures Research Methodology Series“.
*2) Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/BST_Delphi_Studie_2016.pdf
Foto: istock
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