EINMAL Prinzessin

 

Wir schreiben das Jahr 2024 - als ich ein junges Mädchen bzw. eine junge Frau war, klangen alle Daten, die eine „2“ in der Tausenderstelle hatten, wie eine Episode von Raumschiff Enterprise. Dann kam das Millenium. Ich weiß noch genau, wie ich dieses Ereignis am 31.12.1999 gefeiert habe. WOW. Das Jahr 2000! Voll futuristisch irgendwie.

Zwei Jahrzehnte, zwei Kinder und eine Scheidung später schaue ich auf die Welt und denke so bei mir: irgendwie hatte ich 24 Jahre nach dieser Silvestersause erwartet, dass wir nicht nur die Technologie, sondern auch das Miteinander betreffend erheblich weiter sein würden.

Stattdessen schaue ich mich im Fernsehen, in den Print-, Online- und Sozialen Medien um und denke so „Wow - als wäre die Zeit nicht nur stehen geblieben, sondern rückwärts gelaufen.“

Zumindest, was uns Frauen, unsere Wünsche, Träume und unsere Lebensrealitäten angeht, denn da beherrschen scheinbar nach wie vor dieselben Themen das Denken und die Sorgen von viel zu vielen Frauen. Und geht es um Frauen, ist das Thema „Traumleben“ oder „Lebenstraum“ nicht weit. 

In den letzten Monaten drängte sich ein Thema ganz besonders in den Fokus medialer Aufmerksamkeit, und zwar die Frage nach dem Verbleiben nach Prinzessin Kate, die sich im Dezember des Vorjahres einer Bauch-OP unterzogen und - mit Ankündigung - seitdem vollständig aus der Öffentlichkeit zurück gezogen hatte.

Nun könnte man annehmen, dass wenn jemand sagt „Hallo Leute, ich verschwinde jetzt mal für ein paar Monate von der Bildfläche, weil ich mich von meiner OP erholen muss“, die Leute sagen „OK, gute Besserung!“ und sich dann wieder ihrem eigenen Leben zuwenden.

Aber weit gefehlt, zumindest wenn man Kate, Princess of Wales ist, bislang als sehr angepasst gilt, und einfach nur versucht, das Allerprivateste privat zu halten und sich selbst und die Familie ein einer sehr empfindlichen Lebenssituation zu schützen.

In den vergangenen Monaten fand ein regelrechter Wettbewerb statt um die wohl passendste oder abstruseste Geschichte über den Verbleib der Prinzessin.

Das hätte man vielleicht insofern nachvollziehen können, wenn sie ohne ein Wort sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden wäre. Aber sie hatte ihre Abwesenheit aufgrund Genesung ja angekündigt. Doch das interessierte niemanden.

Sowohl die gesamte internationale Boulevardpresse, als auch viele Influencer, diverse A-Z-Promis wie z.B. Kim Kardashian oder Otto und Anna Normalverbraucher mutmaßten in den vergangenen Monaten zahlreich darüber, was denn nun WIRKLICH bei den Royals, speziell bei Kate los sei.

Von einem „Betrug durch ihren Gatten William mit der Nachbarin“ über „Bauchstraffung“ und „Abtreibung“ bis hin zur „Vertuschung ihrer Ermordung“ (ernsthaft?) war alles dabei.

Dann veröffentlichte der Palast ein Bild von Kate mit ihren drei Kindern, auf dem sie strahlend schön und fröhlich in die Kamera schaute und ihren Fans irgendwie vermitteln wollte, dass sie sich keine Sorgen machen sollten.

Unglücklicherweise wurde dieses Bild retuschiert, was findige Beobachter sofort registrierten und öffentlich machten und somit noch  mehr Misstrauen säten. 

Fortan lautete der Tenor „Wen will der Palast denn hier bitteschön veralbern? WAS IST DA LOS?“ 

Man sah sich genötigt, ein Statement von Kate zu veröffentlichen, in welchem sie sich für ihre vermeintlich dilettantischen Bildbearbeitungs-Versuche entschuldigte, woraufhin die Hetzjagd aber erst recht nochmal an Fahrt aufnahm.

Zuguterletzt sah sich Prinzessin Kate genötigt, an die Öffentlichkeit zu gehen und die Welt darüber zu informieren, dass sie an Krebs erkrankt und nun dabei sei, die empfohlenen Therapien wahrzunehmen, um hoffentlich geheilt zu werden.

Ein Schock. 

Daraufhin folgten natürlich weltweit viele Genesungswünsche und Anteilnahme, aber eben auch sehr, sehr viele Kommentare, in denen man die Echtheit des Videos anzweifelte, da Kate darin nicht aussah wie sonst - nämlich gezeichnet von einer schweren Krankheit und von dem Kummer und den Sorgen, den eine solch schockierende Diagnose der Mutter von drei noch kleinen Kindern wohl bereiten dürfte. 

Aber who cares? Der echte Royalkenner sah natürlich sofort, dass es sich nur um eine Fälschung handeln konnte und so lautete einer der häufigsten Kommentare 

„Das ist doch nicht Kate!“ 

Ich sag jetzt mal unverblümt, wie ich all das empfand: ZUM KOTZEN !

Es ist zum Kotzen, wie verroht und rücksichtslos die Welt inzwischen geworden und vor allem wie unfassbar unkontrolliert und außer Rand und Band die Sozialen Medien sind, in denen einfach jeder Dulli jeden erdenklichen Müll weitgehend ungeahndet raushauen und sich als Expertin/en zu allem und jedem ausgeben darf, Dunning Kruger lässt grüßen.

Und was Prinzessin Kate bzw. das Prinzessinnending allgemein angeht:

Wir haben 2024. Und noch immer ist die Medienlandschaft voll von Formaten, die den vermeintlichen Traum jedes jungen Mädchens zum Inhalt haben: EINMAL Prinzessin zu sein.

EINMAL so ein wunderschönes Kleid tragen!

EINMAL von einem Prinzen aus einem Turm gerettet werden!

EINMAL einen ultraromantischen Antrag bekommen!

EINMAL in einem echten Schloss feiern!

EINMAL in einer Kutsche zur Kirche fahren. 

Usw. usw. usw.

Von „Bachelor“ bis „Zwischen Tüll und Tränen“ bis hin zu zahlreichen Trashformaten geht es immer und hauptsächlich darum, dass Frauen sich entweder für ein Prinzessinnenkleid und eine Hochzeit mit Schloss und Pferdekutsche hoch verschulden oder unter maximalem Einsatz ihrer „weiblichen Reize“ einander im Kampf um Mister Right gegenseitig zerfleischen oder anbiedern bis zur absoluten Peinlichkeitsgrenze und darüber hinaus.

Wenn ich mir die realen Prinzessinnen, die die Welt aktuell zu bieten hat, so anschaue, allen voran Prinzessin Kate, frage ich mich: WARUM? Wie kann man als Mutter seiner Tochter heute allen Ernstes noch erlauben oder gar schmackhaft machen, „Prinzessin“ sein zu wollen? Wir alle sollten inzwischen wissen, dass es bei den von Kindesbeinen an vermittelten Idealen der bildschönen Frauen in prächtigem Gewand um weit mehr geht als nur ein hübsches Kleid!

Es geht um traditionelle Rollenbilder, um Stereotype, um vermeintliche „Weiblichkeit“ und demzufolge auch „Männlichkeit“, um den Male Gaze, um das einzig wahre Ziel, die wichtigste Aufgabe und den einzig wahren Wert, den wir Frauen angeblich haben, nämlich 1. einen Mann dazu zu bringen, uns zu heiraten und 2. hübsch zu sein - normhübsch. Normweiblich. 

All das bietet zum Beispiel die so genannte Stilikone Kate.

Sie verkörpert den Prototyp des vermeintlichen Wunschtraums jedes kleinen Mädchens.

Mädchen aus bürgerlichen Verhältnissen begegnet einem waschechten Prinzen am College, man verliebt sich, trennt sich, findet wieder zusammen, man verlobt sich, man heiratet in einer schlossähnlichen Kirche in einem wunderschönen Kleid und mit Kutsche und mit allem Zipp und Zapp, sie selbst ist wunderschön, groß und sehr schlank, hat braunes Wallawallahaar, trägt stets die wunmerschönsten Roben und ist natäürlich auch eine ganz, ganz tolle Vorzeigemutter, die für Nachhaltigkeit und gesundes Leben steht und selbstverständlich ein rosarotes Leben an der Seite ihres Traumprinzen führt.

Hachz, wie im Märchen, seufz.

Ja klar, es ist wie im Märchen.

Aber ist das das wahre Leben?

NEIN! Ist es nicht!

Natürlich verfügt  Kate über Geld, sie hat Nannys, Personal Trainer, einen Koch usw. Über das, worüber wir Frauen und Mütter uns so in der Regel das Hirn und den Körper zermartern, braucht sie sich keinen Kopf machen.

Aber dafür um wirklich alles andere doppelt und dreifach!

Jeder öffentliche (oder auch nicht öffentliche Auftritt) wird durch das lauernde Fotografen- und Journalistenrudel verfolgt, festgehalten und kommentiert, jeder unaufmerksame Blick, jeder Wimpernschlag, jede Handbewegung und natürlich jedes Outfit pingelig beäugt und interpretiert.

Sie steht IMMER in der Öffentlichkeit, sobald sie aus der Tür tritt.

Und vor allem: sie hat sich strikt dem Protokoll und den sehr konservativen Werten des Königshauses zu beugen. Sie ist eine Marionette.

Und in Anbetracht der an die Öffentlichkeit gedrungenen Konkurrenzkämpfe zwischen den einzelnen Pressestellen im Königshaus muss sie auch noch fürchten, innerhalb ihrer eigenen vier Wände ausgespitzelt und an die Presse verhökert zu werden.

Und nun ist sie krank. Schwer krank.

Vulnerabel. 

In Sorge. 

In Angst.

So wie wohl jede/r von uns Auge in Auge mit einer Krebsdiagnose wäre, erst recht, wenn man noch jung ist und drei kleine Kinder hat.

Und auch damit musste sie nun an die Öffentlichkeit, musste sich irgendwie medientauglich aufbrezeln, musste sich erklären, rechtfertigen, musste Haltung wahren, muss nun weitere Lügen über sich hinnehmen.

Zur Erinnerung: ein/e KrankenhausmitarbeiterIn hatte versucht, an die Krankenakte zu kommen, um diese meistbietend an die Presse weiterzureichen, weshalb man sich genötigt sah, mit der Krebsdiagnose vorauseilend an die Öffentlichkeit zu gehen.

EINMAL Prinzessin sein!

Also, ich frage noch einmal: WER will das und WARUM will man das!!!???

Weil wir den Mädchen noch immer die Wahrheit verschweigen.

Die Wahrheit über das Leben als Mädchen und Frau.

Die Wahrheit über das Leben als Mutter.

Die Wahrheit über das  Leben als Prinzessin.

Ein Stück weit will das vermutlich eine große Zahl an Frauen auch gar nicht wissen, sondern sich viel lieber der bonbonfarbenen Illusion hingeben, dass frau nur ein perfektes Kleid, ein perfektes Aussehen, eine perfekte Wohnung und natürlich den perfekten Mann braucht, um ein perfektes Leben wie im Märchen zu führen bis ans Ende aller Tage.

Aber genau das ist es - ein Märchen. 

Nicht realistisch. Genauso nicht realistisch wie ein sprechender Wolf oder sieben im Wald hausende Zwerge oder ein Haus aus Lebkuchen.

Was hingegen sowohl im Märchen vorkommt, als auch im realen Leben, ist alles, was das Böse symbolisiert und in er Regel mit einer Frau assoziiert ist.

Nehmen wir zum Beispiel die böse Stiefmutter. Und selbstverständlich die böse Hexe (für die Royals selbst, die Royal Rota und für viele Königshausliebhaber kam diese Rolle lange Zeit Camilla zu, und seit deren Rehabilitation ist es Meghan Markle). 

Im Märchen wird generell von einer bösen Frau ausgegangen statt von einem bösen Mann. Der gute Vater, der gute Prinz, der gute Bruder, aber es sind immer die bösen Stiefmütter, böse Königinnen oder böse Stiefschwestern.

Hier wird ein Narrativ in die Köpfe gepflanzt, das sich später im wahren Leben fortsetzt.

Frauen sind böse, Männer sind edel und gut.

Frauen kann man nicht trauen, Männer müssen so sein wie sie sind.

Frauen haben zu gefallen, Männer müssen sie retten.

Frauen sind Konkurrenz, keine Freundinnen.

Frauen bekriegen sich gegenseitig, sie halten nicht zusammen.

Frauen sind nur begehrenswert, wenn sie schön, schlank und brav sind.

Sehr schön lässt sich diese durch Märchen konditionierte Sichtweise beispielsweise beobachten, wenn ein Mann fremdgeht oder wenn eine Frau einem gebundenen Mann ganz offensichtlich schöne Augen macht.

In gefühlt 99 von 100 Kommentaren richtet sich der Zorn dann gegen die Frau.

Und der arme Mann, der entweder seinen Dödel in die Frau reingehalten hat oder sich einfach nur stumm vor sich hin lächelnd von den Avancen einer anderen Frau geschmeichelt fühlt, ist natürlich das Opfer dieses verruchten Biests geworden. Sie hat es ja förmlich darauf angelegt!

Überhaupt schwören entgegen aller Umfragen und Statistiken noch immer unfassbar viele Frauen, dass a) ihr Freund / Mann garantiert NIE fremdgehen würde, b) ihre Beziehung und Ehe definitiv ein Leben lang halten wird und c) die Frau selbst schuld ist und sich nicht genug angestrengt hat, wenn der Mann fremdgegangen ist.

Neulich zum Beispiel ging es in einem Beitrag um eine Frau, Mutter von Kindern, die im Verlauf der Ehe einfach keinen Bock mehr auf Sex hatte. Wie gesagt, sie war mehrfache Mutter, ging arbeiten, verrichtete der Statitsik und aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch die Hausarbeit vorrangig und schleppte den Mental Load einer Familie mit sich rum.

Ich persönlich weiß, wie unfassbar erschöpft, erledigt, schlapp, müde und leer man sich am Ende solcher „normalen“ Tage anfühlte, und ich verrate euch: das letzte, worauf ich da Lust hatte, war Sex. Kommt dann noch ein sich permanent der Problematik der Ungleichverteilung verweigernder Gatte hinzu, der noch dazu seinen eigenen Job als einzig wahre Arbeit und den Job sowie alle Gratistätigkeiten der Frau/Mutter als Pillepalle und Selbstverständlichkeit abtut, herrscht ganz schnell Ebbe im Bett. Das wiederum führt natürlich schnell zu Frust beim Mann, dem Sex in aller Regel viel wichtiger ist als den meisten Frauen (das ist halt so ein evolutionäres Ding, sorry), was wiederum zu Streit und womöglich noch weniger Aussicht auf Sex führt.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Ich schätze, rund 80 % aller Kommentare unter diesem Beitrag sahen es als vollkommen gerechtfertigt an, wenn der Mann sich nun was Neues oder wenigstens was für´s Bett sucht. Selbst schuld, die Frau. Männer brauchen halt Sex, und ohne Sex keine Liebe. 

Mit Verlaub: ob und wieviel Sex man in einer Beziehung als richtig und wichtig erachtet, ist absolut individuell, und hierüber gibt es keinen statistischen „Normalwert“. Aber dass Sex gleichzusetzen ist mit Liebe, das ist einfach kompletter Schwachsinn. 

Liebe kann sich sogar oft erst durch das Fehlen von Sex zeigen, und Sex ist sowieso jederzeit auch ohne Liebe möglich, ja, sogar ohne PartnerIn. 

Dennoch sind die meisten der Überzeugung Liebe = Sex bzw. keine Liebe ohne Sex.

Und auch das wird uns natürlich von klein auf eingebimst, dass eine intakte Beziehung nur möglich ist, wenn in allen erdenklichen Lagen bis zur Besinnungslosigkeit gevögelt wird und man dem Manne und seinen geifernden Blicken gefällt. 

Dank Internet und heutzutage jederzeit bereits von kleinauf für nahezu jeden verfügbarer Pornos herrschen da auch ganz bestimmte Idealbilder vor.

Die Frau, dickbusig, mit schlanker Taille, gebräunt, eingeölt, wahlweise durchtrainiert oder chubby und vor allem ganzkörperrasiert und blank wie eine Fünfjährige, hat immer geil, nass und verfügbar zu sein und nach etwas anfänglichem schamhaftem Verweigern (weil ihn das so geil macht) nach jeder noch so gewaltvollen und -verherrlichenden oder perversen Idee des Mackers lustvoll stöhnend zu gieren.

In der schönen Welt der Pornos gibt es zwar jeden Typ Frau, die normschöne Beauty, „durchschnittlich attraktive“ Ehefrauen, Mütter, Pflegepersonal, Dicke, Magersüchtige, Omas, Kranke, Behinderte u.v.m., aber am Ende des Tages werden sie alle doch nur als entmündigtes Lustobjekt des Mannes dargestellt. 

Völlig egal, wie ihr Alltag aussieht.Weil: erstens interessiert das keinen und zweitens ist ja Sex das Allheilmittel für und gegen alles. Männer wissen das, Frauen sollten das endlich mal kapieren.

Die einzig zulässige Variante zum Weib, das von ihm genommen wird, ist die Herrin, die Domina, die den Mann wie einen räudigen Hund behandelt, damit er seine krasse Verantwortung und Männlichkeit wenigstens bei ihr einmal ablegen und sich wie ein weinendes Kind auf dem Boden zusammenrollen und bestrafen lassen kann, weil er so ein böser Junge war. Alles mit dem Ziel, am Ende auch doch wieder nur seiner Geilheit freien Lauf zu lassen.

Es geht also irgendwie IMMER darum, seinem Trieb gerecht zu werden, ganz gleich, wie lustvoll und sexuell die Frau selbst ist. (Darf sie das eigentlich? Denn dann läuft sie ja Gefahr, als Schlampe wahrgenommen zu werden).

Frauen haben dem Mann, wie auch immer, zur Verfügung zu stehen und finden es am Ende des Tages doch eigentlich auch alle richtig geil, ganz egal, ob sie nun selbst erniedrigt werden oder erniedrigen dürfen, Hauptsache er kann abspritzen.

Weil Frauen genau das wollen und sollen. Also….zumindest zu Hause. 

Genau darum geht es auch häufig, wenn Frauen die Zustände in der realen Welt, die alles andere als märchenhaft sind, kritisieren. Frauen, die leise oder laut aufbegehren, Feministinnen sind in den Augen der „Prinzen“ oft einfach nur ungefickte Weiber, die nur mal einen richtigen Prügel brauchen, der ihnen den Verstand aus dem Leib vögelt, damit sie wieder zur Vernunft im Sinne einer wahren Märchenprinzessin kommen, die den Prinzen anschmachtet und bestenfalls mal einen Schuh verliert, nie aber die Contenance und erst recht nicht die Lust auf den Typen.

Und selbst die eher rebellischen unter den Märchen- und Disney- Frauen-Figuren bzw. die jüngere Generation der „Prinzessinnen“ erscheint zwar insgesamt selbstbestimmter, tougher und mutiger, ist aber nach wie vor wunderschön, schlank und landet am Ende des Tages eben doch wieder seufzend in den Armen eines Mannes, damit die Mädchen und Frauen es auch ja nicht vergessen, dass das das erklärte Ziel ist, auch für die aufgeklärten unter ihnen: Sei schön und finde einen Mann!

Einzige Ausnahme bildet bei letztgenanntem Punkt wohl Elsa aus Frozen, die ihr Reich rettet und fortan alleine irgendwo im Märchenland lebt und waltet. Aber auch sie ist zumindest der verkörperte Mädchentraum einer Prinzessin: schön, dünn mit langen blonden Wallawallahaaren und einem wunderschönen Kleid. 

Weil: so gehört sich das eben für eine Prinzessin.

Und schließlich wollen das doch alle: EINMAL Prinzessin sein. Am besten an der Seite eines Prinzen, der sie umsorgt und ihnen ein wunderschönes Leben im Palast ermöglicht.

Apropos: Bis zum Exzess betreibt dies eine neue Generation von Frauen, die sich „Tradwife“ oder „Stay at home-girlfriend“ nennt.

Diese Mädchen und Frauen zelebrieren die traditionelle Rolle der Frau, die dem Mann das Leben so angenehm wie möglich macht und den ganzen Tag perfekt gestyled nur am Herd oder Ofen steht, kocht, backt, sich für ihn hübsch macht, die Wohnung gemütlich und in Schuss hält und dafür sorgt, dass er nach einem anstrengenden Tag immer gern nach Hause kommt und stets glücklich und zufrieden ist.

Während die Tradwife in der Regel verheiratet ist und sich bewusst für die traditionelle Rolle als Hausfrau entschieden hat, ist die Stay at Home Girlfriend vor allem dem gut verdienenen Mann zugetan und genießt auch die Vorzüge seiner Kreditkarte.

Immer mehr zelebrieren in den Sozialen Medien einen solchen Lebensstil, wo die Frau nicht arbeiten geht und keine eigenen beruflichen Ambitionen verfolgt, sondern ihre Aufgabe darin sieht, dem Manne und dem gemeinsamen Haus und Hof zu dienen.

Nun kann man argumentieren, dass der Feminismus ja genau das unterstützt, dass jede Frau sich frei für jedes Lebensmodell entscheiden darf. 

Wären da nur a) nicht die noch immer vorherrschenden gravierenden Gefälle, spätestens im Fall einer Trennung, die sich auf mannigfaltigen Ebenen zeigen und b) die unmittelbare und öffentlich zelebrierte Verknüpfung dieses Lebensstils mit „Weiblichkeit“, was automatisch dazu führt, dass Frauen, die nicht so leben wollen, das Gefühl vermittelt bekommen sollen, NICHT weiblich zu sein.

Also auch keine Prinzessin.

Ganz im Sinne des Patriarchats und der weltweit zu beobachtenden Tendenz hin zu konservativen bis stark rechts verorteten Werten.

Ich sag euch was: Manchmal möchte ich sehr gerne zurück ins Jahr 1999.

Da war es auch nicht anders. 

Und ehrlich gesagt sogar in vielen Punkten ein wenig besser.

Übrigens: ein ebenfalls stark zunehmender Trend, gerade unter jungen Frauen, ist das „Sugardating“.

Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr.









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