Das Erfolgstool



Hallo allerseits,

kennt ihre diese gefeierten „Gurus“, die einem „garantierte Erfolgsstrategien“ verkaufen ? Vor allem Männer bieten sich uns ihre Patentformeln hier an und werden besonders häufig auch von Männern gefeiert.

I mean, diese selbstverständlich kostenpflichtigen Strategietipps funktionieren in der Regel tatsächlich - vor allem für einen: nämlich für den, der sie verkauft. 

Alle anderen leben normalerweise auch noch zehn Jahre nach dem Besuch eines sündhaft teuren „Powerseminars“ o.ä. fast genauso wie vorher.

Unzufriedene Menschen sind nun einmal krass manipulierbar und möchten eben an vieles glauben, das verspricht, sie zufriedener zu machen.

Alter Hut.


Was  Männern jedoch garantiert fast immer Erfolg verspricht, ist eine Methode, die sie gegenüber Frauen anwenden, wenn es, sagen wir mal, vielleicht etwas ungemütlich für sie werden könnte.

Es ist quasi DAS Erfolgstool schlechthin.

Es nennt sich Einschüchterung.

Und genau darum soll es hier gehen.


Jedwede Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen und eventuellen realen Situationen und Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die hier geschilderten Beispiele sind vielmehr als Summe aus Erfahrungen zu verstehen, die viele Frauen in ähnlichen Situationen machen / gemacht haben und die die teils subtilen, teils offensichtlichen Dynamiken von psychischer Gewalt von Männern gegen Frauen und das fehlende (fehlerhafte!)  juristische Angebot für Betroffene demonstrieren sollen. 


Dieser Beitrag soll also exemplarisch für eine häufige Reaktion von Männern stehen, die vielleicht eine gewisse Bekanntheit haben und die, sagen wir mal, öffentlich in den Sozialen Medien von einer Frau kritisiert wurden, weil sie sich z.B. bei einem öffentlichen Auftritt in einem bestimmten Kontext nicht ganz angemessen verhalten haben. 


Nehmen wir als rein hypothetisches und durchaus häufig zu beobachtendes Beispiel folgendes an:

Ein Mann tritt irgendwo öffentlich auf und äußert bzw. verhält sich zu einem Thema, das ausschließlich Frauen betrifft, z.B. männliche Gewalt gegen Frauen, in einer Art und Weise, die durchaus als kritisch betrachtet werden kann.

Es geht dabei weniger um den Inhalt, als um die Art und Weise, wie er auftritt, indem er zum Beispiel die ihm eingeräumte Zeit für Eigenwerbung nutzt.

Eine Frau kritisiert daraufhin sein öffentliches Verhalten öffentlich in den Sozialen Medien.

Der Betroffene schickt der Frau, die sein Verhalten kritisiert hat, daraufhin private Nachrichten, in welchen er ihr mitteilt, dass es ja grundsätzlich in Ordnung sei, wenn sie ihn vielleicht als Person nicht möge (?), ihr aber unter anderem vorwirft, feige zu sein, weil sie sich hinter einem Profil  verstecken würde. Ferner spricht er z.B. von Mobbing, weil sie, die Frau, ihre Meinung zu seinem öffentlichen Auftritt öffentlich kundgetan hat.

Außerdem empfindet er ihre Reaktion insofern als nicht angemessen, weil er sich eigentlich für total mutig hält, wenn er über etwas spricht, das er früher mal getan hat und das sie nun kritisiert (nehmen wir an, er hat z.B. zugegeben, früher mal ein Problem mit verbaler Gewalt gegen Frauen gehabt zu haben).

Last not least empfiehlt er ihr, doch mal in sich zu gehen und nachzudenken, ob es denn nicht vielmehr so  sei, dass sie sein Beitrag einfach nur getriggert habe und sie nur deshalb so reagieren würde.


Als sie darauf nicht reagiert, schickt er noch einige sehr fordernde Nachrichten hinterher.


Diesen Vorgang macht sie öffentlich und wird daraufhin unter Androhung einer Klage aufgefordert, die Posts aus dem Netz zu nehmen.


——


Zunächst einmal: 

Frauen sind weder verpflichtet, auf die Nachrichten eines Mannes zu reagieren, noch müssen sie dies in einem bestimmten Zeitfenster tun.


Tun sie es dennoch, dann zu einem von ihnen gewählten Zeitpunkt und in einer Weise, wie sie es als angemessen empfinden.


Selbstermächtigung ist übrigens ein wesentlicher Schlüssel beim Thema "Gewalt gegen Frauen".


Und da sind wir auch schon voll im Thema.


Punkt 1


Entgegen der häufigen Behauptung, Frauen würden sich „hinter ihrem Profil verstecken“, nur weil sie ihren Klarnamen nicht veröffentlichen, ist dies häufig tatsächlich ganz und gar nicht der Fall. 

Ich zum Beispiel verwende auch nicht meinen Klarnamen, zeige mich aber immer mal wieder in meinen Beiträgen.






Ich verstecke mich grundsätzlich nie vor etwas oder jemandem - aber ich entscheide selbst darüber, wem ich was und in welcher Form von mir preisgeben möchte und was nicht. 


Die Gründe dafür sind vielfältig, aber ein Grund ist mit Sicherheit jener, dass wir Frauen es nun einmal sind, die im real life und im Netz massiver verbaler Gewalt, Hass und Anfeindungen ausgesetzt sind,  wenn wir öffentlich unsere Meinung sagen - etwas, das Männern fremd zu sein scheint. Zumindest scheint es sie  sehr zu  belasten, wenn jemand ihr (Anmerkung: öffentliches) Auftreten ebenso öffentlich kritisiert. Durch Frauen geäußerte Kritik soll in der Regel nicht kränken, sondern auf Missstände hinweisen. sie soll verdeutlichen, was allzu viele in ihrem patriarchal-kuscheligen Kokon gar nicht wahrnehmen, ja, sogar häufig zu ihren Gunsten umdeuten.


Frauen wollen häufig vor allem auf einen erheblichen Missstand aufmerksam machen, nämlich auf jenen, dass es immer nur um Männer und ihre Befindlichkeiten  und Wünsche gehen soll, selbst wenn es doch eigentlich gerade um Frauen und Gewalt gegen sie geht. 

Darauf komme ich gleich noch einmal zurück.


Jedenfalls ist das Verbergen eines Klarnamens in der Regel keine Feigheit oder ein Verstecken, sondern absolut berechtigte und begründete Angst vor weiterer Gewalt und Doxing = das Öffentlichmachen persönlicher, privater Daten wie Adresse, Namen der Kinder etc., eine klassische Einschüchterungsmethode und vor allem pure Gewalt, häufig ausgeübt durch Männer gegen Frauen, wenn diese sich öffentlich kritisch äußern.



Punkt 2


Wieder bezogen auf unser rein hypothetisches Beispiel (s.o.):


Ob Frau jemanden als Privatperson mag oder nicht, vermag sie bei Personen des öffentlichen Lebens ja gar nicht zu beurteilen, weil sie sie ja nicht kennt. Jedoch kann eine kritische und aufgeklärte Frau in der Regel sehr wohl erkennen, ob ein Mann z.B. Sendezeit zu einem sehr ernsten Thema primär vor allem dafür nutzt, um auf sich selbst, seine Website etc. pp, ganz besonders dann, wenn eine solche Werbung in einem Rahmen stattfindet, in dem es vor allem um eines gehen sollte: um Frauen, die Opfer von vornehmlich männlicher häuslicher Gewalt werden.


Wenn ein Mann dort z.B. als Gast geladen ist, weil er vielleicht in seinem früheren Leben gegen seine Partnerin oder Partnerinnen verbal aggressiv geworden war

und nun angibt, das hinter sich gelassen zu haben, ist das großartig und macht Hoffnung.

Ich spreche Männern, die eine solche Geschichte erzählen, auch nicht ab, dass Sie möglicherweise an sich und ihrer Impulsivität gearbeitet haben. 


Wenn sie dies jedoch als „mutig“ empfinden, hat das wiederum genau damit zu tun, dass das weitgehend verbreitete Männerbild nach wie vor kaum Raum für offen demonstrierte Emotionen lässt  - ich als Frau empfinde es daher nicht als mutig, sondern schlicht dringend notwendig, dass Männer anfangen zuzuhören und zu reflektieren. 


Insofern tut es mir wirklich leid, dass ich (und andere Frauen) nicht mit der von Männern stets erhofften Bestätigung und Begeisterung reagiere(n) auf etwas, das mindestens als Erwachsener eigentlich normal sein sollte: nämlich Gewaltfreiheit, Reflektiertheit, Läuterung.


Nichtsdestotrotz ist es natürlich sehr gut, wenn ein Mensch sich einsichtig zeigt und versucht, an sich  zu arbeiten, wenn es da eventuell Bedarf gibt, umso mehr, wenn sie oder er Kinder hat.


Allerdings:

Läge Männern tatsächlich ernsthaft daran, ein besserer Mensch und Mann zu sein, der seine Emotionen besser reguliert und die Emotionen der Frauen achtet und respektiert und der sich ändern will, würden sie die Chance nutzen, ihre Geschichte zu erzählen, um anderen Betroffenen Mut zu machen, würden ansonsten aber zurückhaltend den teils wirklich schlimmen Erfahrungsberichten der Betroffenen zum Thema Gewalt gegen Frauen lauschen statt immer nur

„ich, ich“ zu rufen, denn das ist dann reines Selbstmarketing und zeugt erneut von Ignoranz gegenüber Frauen und ihren Gewalterfahrungen.


Ein solchen Auftreten zeigt lediglich aggressive Selbstinszenierung zum Zweck der Aufwertung der eigenen Person und der Werbung, aber keinen glaubhaften und ernstzunehmend geläuterten, ehemals verbal gewalttätigen Mann in einem Rahmen, der eigentlich den Opfern Gehör verschaffen sollte.


Punkt 3


Wenn ein Mann die durch eine Frau offen geäußerte sachliche Kritik an seinem öffentlichen Auftreten als „Mobbing“ bezeichnet, ist das gelinde gesagt, ein Schlag ins Gesicht jedes Mobbingopfers.


Mobbing ist psychische Gewalt, die vor allem durch wiederholte Schikane

in Form von Herabsetzung und Erniedrigung gekennzeichnet ist und schwerwiegende Folgen bis hin zum Suizid nach sich ziehen kann.


Davon strikt abzugrenzen ist eine kritische, kontroverse Meinung, die jeder in diesem Land frei äußern darf. Auch gilt das Wort „Selbstdarsteller“ nicht als Beleidigung im Sinne des Gesetzes, sondern schildert lediglich eine subjektiv wahrgenommenen Zustand der Darstellung.


Punkt 4


Empfiehlt ein Mann einer ihn sachlich fundiert kritisierenden Frau, doch besser mal in sich zu gehen und dort nachzufühlen, ob er sie nicht einfach nur triggere und so eine emotionale Reaktion hervorgerufen habe, mit anderen Worten, dass nicht ER, sondern eigentlich SIE das Problem sei, beinhaltet dies gleich zwei Phänomene, die allen Opfern von psychischer Gewalt durch Männer allzu bekannt sein dürften:

  1. Mansplaning
  2. Gaslighting


Ein Mann, der einer Frau so gegenüber tritt, glaubt also, dass er ihr nicht nur erklären müsse, was sie glaube (!) zu denken, sondern er vermittelt ihr auch noch, dass ihre auf Basis eigener Erfahrung und eigenen Empfindens geäußerte Kritik schlicht nicht ganz ernst zu nehmen sei, weil sie ja sowieso nur aufgrund ihrer eigenen Probleme entstanden ist. 

Er spricht ihr also ihre Meinung ab.

Er entwertet ihr persönliches Empfinden und ihre Meinung.


Das ist hochproblematisch und zeigt ehrlich gesagt umso mehr, dass ihre ganz persönliche kritische Einschätzung vermutlich absolut richtig ist.


Punkt 5


Bombardiert ein Mann eine Frau, nachdem sie ihn öffentlich kritisiert hat, mit Nachrichten, und das aber privat unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ist auch dieses Verhalten als hochproblematisch einzustufen und wird häufig verwendet, um Frauen, die sich kritisch zu etwas äußern, einzuschüchtern und zu silencen, denn private Nachrichten darf die Frau nicht öffentlich verwenden. 

Sie darf keine Namen nennen, darf nichts der privat an sie gerichteten Worte nach außen tragen, da sie sonst Gefahr läuft, eine Anzeige wegen Verleumdung und Rufschädigung zu kassieren. Und - wie es eben immer so ist - liegt dann die Beweislast bei ihr, und Männer, die psychologische Methoden der Einschüchterung anwenden, die keine offensichtlichen Bedrohungen und justiziable Handlungen darstellen, werden gerichtlich nie belangt, weil diese subtilen Methoden eben so schwer nachweisbar sind und kaum von Außenstehenden akzeptiert und verstanden werden.

Und das ist ein gewaltiges Problem, da es Frauen zum Schweigen bringt und so bestehende Machtgefälle und Gewaltproblematiken und -dynamiken zwischen den Geschlechtern quasi wie in Stein gemeißelte und unabänderliche Manifeste erscheinen lässt, die jedoch von keinem öffentlich ausgesprochen werden.


Ich hoffe, ich konnte an diesem rein hypothetischen Beispiel, das stellvertretend für sehr viele reale Episoden in den Sozialen Medien stehen soll, in denen Frauen, die sich öffentlich kritisch geäußert haben und daraufhin eingeschüchtert und bedroht wurden, demonstrieren, wie es Männern gelingt, das öffentliche Bewusstsein und kontroverse Meinungen zu Gewalt gegen Frauen erfolgreich zu manipulieren und jedwede Chance auf Veränderung im Keim zu ersticken.


Dagegen hilft nur Solidarität.

Uneingeschränkte Solidarität, gemeinsam laut werden, gemeinsam demonstrieren und einander Halt und Schutz bieten.


Und im Zweifelsfall gemeinsam Geld sammeln und verfügbar machen, um sich juristisch wehren zu können, denn diejenigen, die hier massiv gegen die öffentliche kritische Meinung von Frauen angehen, verfügen in den meisten Fällen eben auch über sehr viel mehr Mittel als die Opfer.
















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