SELBSTOPTIMIERUNG VS. SELBSTVERLEUGNUNG
Ooooh, die Zeiten sind hart.
Diese Sichtweise birgt Problempotenzial.
Sie vermitteln den Eindruck eines perfekten Lebens durch Schönheit, Verrücktheit, Schlankheit, whatever.
Und mit ihnen lässt sich Geld verdienen, denn sie haben Einfluss auf die Massen.
Hier entsteht seit Jahren eine Art perfekter Kosmos, in den man fliehen kann, um vor seiner eigenen vermeintlichen Unbedeutendheit zu fliehen oder sich eine Parallelwelt zu schaffen, neue Idole zu finden, denen man nacheifern kann und dem eigenen Leben einen Hauch Exotik, Würze oder gar Glamour zu verschaffen.
Und manch einer verliert sich in diesem Kosmos, verliert den Blick für sich, seinen eigenen Wert.
Einen Menschen kann man nicht bewerten wie ein Anlagegut, ein Auto, ein Haus, ein Gemälde.
Jeder Mensch wird gezeugt.
Jeder Mensch erlebt eine Geburt.
Jeder Mensch atmet.
Jeder Mensch kennt Probleme.
Influencer.
Der "Wert" eines Menschen bemisst sich nicht in einer Währung.
Wir sind.
Ohne jede Chance der Einflussnahme geboren mit einem Pool an Eigenschaften.
Punkt.
Wir mögen etwas an uns oder uns nicht, und deshalb möchten wir so tun, als wären wir anders.
Schöne, junge, straffe, top gestylte, erfolgreiche Welt. Da wollen wir hin. Am besten auf ewig.
Diese Annahme wird durch das, was uns auf zahlreichen Kanälen suggeriert wird, gespeist. Selten geht es um die tatsächlich messbaren Fähigkeiten, sondern sehr häufig um spontan wahrnehmbare, empirisch betrachtet äußere attraktive Merkmale, weil die sich einfach besser vermarkten lassen.
Das ist Leben.
Wie schön, dass man des (er)leben darf.
Ihr seid ein Wunder der Natur.
Wenn ihr euch selbst mögt, tun es andere meistens von ganz allein.
Überall wird man auf 'zig Kanälen - häufig gleichzeitig- nicht nur mit den üblichen News und mit Promiklatsch, sondern auch mit Informationen von und über Menschen beschossen, die man vor Zeiten von Instagram, Youtube, TikTok usw. sehr wahrscheinlich niemals im Leben je gekannt hätte, wobei „kennen“ natürlich stark übertrieben ist.
Immer mehr Menschen lassen die Welt an ihrem Leben teilhaben, in unterschiedlicher Art und Weise, aber immer so, dass man den Eindruck erhält, man wäre Teil des Freundes- und Bekanntenkreises der jeweiligen Person, denn immerhin teilt sie ja „persönliche“ Informationen mit uns. Da wird vom neuen Handy bis hin zur Presswehe nahezu alles auf den Social Media Kanälen in die Welt gepostet, um seinen eigenen Marktwert zu steigern und so ohne große Anstrengung Geld zu verdienen, denn - machen wir uns nichts vor - das ist häufig der Sinn und Zweck des öffentlichen Zurschaustellens, und nicht etwa Nächstenliebe oder reine Kontaktfreudigkeit.
Sehr häufig bekommt man den Eindruck, das Leben der Influencer und selbst ernannten Entertainer sei perfekt.
Sie sind immer gut drauf, immer passiert was, immer haben sie Ideen, sie bringen anderen etwas bei oder die Welt zum Lachen, wohnen in lichtdurchfluteten, durchgestylten Wohnungen, backen, kochen, stylen und designen, kriegen das alles auch mit Kind, Mann, Hund und Oma unter einen Hut und sehen dabei auch noch blendend aus, wobei blendend = hübsch, dünn und perfekt gestylt meint. Den Rest erledigen Filter.
Ohne Filter geht's eigentlich gar nicht mehr.
Alles muss perfekt sein.
Natürlich gibt es perfekte Menschen eigentlich gar nicht.
Oder etwa doch?
Selbst bei den Realisten unter uns und all jenen, die ein starkes Selbstbewusstsein haben, kommen hier und da zuweilen Zweifel auf, ob denn nun das eigene Leben schlicht fad, stressig und einfach nur irgendwie falsch oder ob das zur Schau gestellte Leben der anderen vielleicht nur ein Fake ist? Oder vielleicht gibt es sie ja doch, diese tollen Menschen?
Sind die vielleicht echt alle so cool, hübsch, lässig, lustig und kreativ, und man selbst hockt mit Jogginghose auf´m Sofa?
Besonders "schöne heile Welt"-gefährdet sind nicht gefestigte Menschen, Menschen, die mit sich und der Welt hadern oder noch am Anfang eines langen Prozesses der Persönlichkeitsfindung und -entwicklung stehen, wie zum Beispiel Kinder und Jugendliche.
Gerade in der Pubertät plagen die meisten Selbstzweifel.
Man fühlt sich wahlweise zu klein, zu dick, zu groß, die Augenringe sind zu dunkel, der Busen ist zu klein, die Nase ist zu groß, die Haut zu fettig und die Beine sind sowieso zu dick.
Alle anderen sind gefühlt beliebter, hübscher, sportlicher, besser.
Das gilt natürlich ganz besonders für diejenigen, denen man auf Instagram und Co. folgt, die IDOLE.
{Idol: 1. jemand, etwas als Gegenstand schwärmerischer Verehrung, meist als Wunschbild von Jugendlichen,
2. Gottes-, Götzenbild - (in Menschengestalt)}
"Warum nur ist die oder der so hübsch?" " Wieso kann ich nicht auch so sein?" "Seufz, die hat SO eine tolle Figur."
Die Folge ist der Wunsch nach Selbstoptimierung.
Irgendwie muss sich doch etwas an uns VERBESSERN lassen!
Wir treiben Sport, um einen flachen Bauch zu bekommen, wir backen gigantische Torten nach, mischen Chiasamen ins Müsli, kaufen dieselben Klamotten wie unsere Vorbilder, benutzen Kosmetik, um unsere Makel zu kaschieren, tragen andersfarbige Kontaktlinsen, abonnieren Newsletter, und noch nie haben so viele Menschen mithilfe kosmetischer Eingriffe, sei es in Form von Botox oder Fillern oder durch OPs, ihr Gesicht verändern lassen wie heute.
Die Frage, die sich mir häufig stellt, ist: Was war zuerst da, Henne oder Ei, Selbstoptimierung oder Selbstverleugnung?
Mehr und mehr zeigt sich in den Sozialen Medien gerade der Trend, zu sich selbst zu stehen, seine Narben und Falten zu zeigen, Schönheit als etwas individuelles und nicht streng definiertes zu feiern und vor allem, Makellosigkeit nicht als normal oder besonders erstrebenswert zu erachten, sondern eben den Makel als menschlich und normal einerseits, andererseits als etwas individuelles, eigenes zuzulassen und zu zeigen.
Der allgemeine Optimierungswahn hält dennoch ungebrochen an, und auch in der Werbung und in den Medien scheint all das noch nicht wirklich angekommen zu sein.
Nach wie vor zieren nahezu durchweg überdurchschnittlich gut aussehende, schlanke Menschen die Zeitschriften, Anzeigen und Plakate, in Werbespots tummeln sich zu 99% Models, und Größe 34-36 ist das, was als standard gezeigt wird.
Eine sehr bekannte Frauenzeitschrift hatte vor einigen Jahren dazu aufgerufen, dass die Leserinnen, also Menschen wie du und ich, sich als Models bewerben sollten, da man weg von den klassischen Models wollte.
Das Ergebnis war, dass weiterhin gemeinhin als überdurchschnittlich gut aussehend, schlank und groß wahrgenommene Frauen gezeigt wurden, und irgendwann kehrte die Frauenzeitschrift wieder zurück zu den "normalen" Models.
("Normal" und "Model" - ein Widerspruch par excellence)
("Normal" und "Model" - ein Widerspruch par excellence)
Immer noch gieren jährlich Tausende Mädchen danach, möglichst dünne, durchtrainierte Top Models zu werden, egal wie sehr sie sich dabei auch zu Affen machen mögen. Zwar ist man dazu übergegangen, auch mal "fülligere" Mädels teilnehmen zu lassen, aber füllig meint hier Kleidergröße 36-38 ohne Waschbrettbauch.
Millionen kleine / junge Mädchen schmachten irgendwelche Bibis, Lenas, Lisas oder wie immer sie auch heißen mögen, an, weil diese das Maß ihrer Dinge und ach so toll sind. Toller als sie selbst eben. Denken sie.
Jungs in der Pubertät sehen heimlich Pornos und erachten den braungebrannten ewig potenten Stecher mit großem Gemächt als das, was man wohl gemeinhin "einen tollen Typen, der seinen Mann steht" nennt und was die "Messlatte" (bitte entschuldigt die ungewollte Doppeldeutigkeit) zu sein scheint oder eifern dem zur Schau gestellten Fame ihrer Rap-Idole oder Producer nach, davon ausgehend, dass dies die Symbole des einzig wahren Erfolgs und des eigenen Werts sind.
Natürlich gab es auch früher schon "mein Haus, mein Auto, meine Yacht", der Mensch neigt eben dazu, sich zu vergleichen, materielle Dinge anzuhäufen und sich durch diese oder eben irgendetwas anderes aufwerten zu wollen.
Man zeigt, was man hat.
(angeboren ist allerdings auch das nicht)
Man zeigt, was man hat.
(angeboren ist allerdings auch das nicht)
Nur ist der Druck heutzutage enorm gestiegen, und das Selbstbewusstsein ächzt immer mehr bereits in sehr jungen Jahren unter der Last der Bilder von all den Superlativ-Menschen, deren Leben so viel besser, bunter, abenteuerlicher zu sein scheint als das eigene.
Die Optimierung unseres Selbst und unseres Lebens ist an sich noch keine schlechte Sache.
Warum sollte man etwas nicht besser machen als es von Hause aus ist?
Problematisch kann es werden, wenn wir uns aufwerten wollen, unseren eigenen Wert per se in Frage stellen, unseren Selbstwert.
Mit meinen Mandanten diskutiere ich sehr häufig das Wort "Selbst-Wert-Gefühl", und nahezu immer wird der Selbstwert als etwas betrachtet, das vor allem von außen definiert wird. Durch andere Menschen oder Dinge.
Habe ich viel, bin ich viel, habe ich wenig, bin ich wenig.
Habe ich viel, bin ich viel, habe ich wenig, bin ich wenig.
Selbstwert, das ist das, was die Welt mir suggeriert, und ich empfinde mich als mehr oder weniger wert im Vergleich zu jemandem.
Wenn wir unseren Selbstwert als etwas betrachten, das sich vor allem durch die Wahrnehmung und Wertschätzung anderer und den Vergleich mit anderen speist und definiert, machen wir uns ganz besonders angreifbar für Einflüsse von außen - Einflüsse wie zum Beispiel Social Media. Einflüsse wir zum Beispiel Werbung.
Denn Medien definieren Standards, die eigentlich nicht der breiten Masse entsprechen und suggerieren uns:
Diese "Standard-Menschen", die so viel besser aussehen, dünner sind, verrückter sind, sich mehr trauen als wir, die eine besondere Attitüde haben oder einfach nur im Maserati vorfahren, sind auch besser als wir, sind mehr wert.
Der "Wert" eines Menschen ist eigentlich nicht messbar, denn wir sind alle gleich.
Wir kommen vielleicht nicht alle mit denselben Voraussetzungen und in derselben Umgebung zur Welt, aber wir alle sind letztendlich Menschen.
Diese "Standard-Menschen", die so viel besser aussehen, dünner sind, verrückter sind, sich mehr trauen als wir, die eine besondere Attitüde haben oder einfach nur im Maserati vorfahren, sind auch besser als wir, sind mehr wert.
Der "Wert" eines Menschen ist eigentlich nicht messbar, denn wir sind alle gleich.
Wir kommen vielleicht nicht alle mit denselben Voraussetzungen und in derselben Umgebung zur Welt, aber wir alle sind letztendlich Menschen.
Als Grundannahme setze ich persönlich daher immer voraus:
Jeder Mensch ist gleich viel "wert".
Jeder Mensch braucht ein Herz.
Jeder Mensch kennt Ängste.
Jeder Mensch kennt Zweifel.
Jeder Mensch hat eine Geschichte - vielleicht sogar eine traurige.
Jeder Mensch hat Macken, Ecken, Spleens.
Jeder Mensch ist sowohl umgeben von Menschen, die ihn mögen oder nicht.
Jeder Mensch hat eine Mutter und einen Vater - rein biologisch.
Jeder Mensch kann einen Schicksalsschlag erleiden.
Jeder Mensch schläft und wacht.
Jeder Mensch hat nur 24 h pro Tag zur Verfügung.
Jeder Mensch braucht Nahrung.
Jeder Mensch altert.
Jeder Mensch wird eines Tages sterben.
Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.
Dieses Gleichsein mit anderen hat einerseits etwas Beruhigendes und Unzweifelhaftes.
Andererseits möchten wir uns aber unterscheiden.
Anders, einzigartig, besonders sein.
Das versuchen wir häufig mit Kleidung, Schmuck / Accessoires, Kosmetik, aber auch mit Wissen zu erreichen.
Obwohl es an und für sich gar nicht nötig wäre, denn wir SIND bereits einzigartig.
Jeden von uns gibt es nur einmal auf der Welt.
Zwar hat statistisch gesehen jeder bis zu sieben optische Doppelgänger weltweit, wie ich kürzlich gelesen habe, aber biologisch ist eben jeder von uns ein absolutes Unikat.
Zwar hat statistisch gesehen jeder bis zu sieben optische Doppelgänger weltweit, wie ich kürzlich gelesen habe, aber biologisch ist eben jeder von uns ein absolutes Unikat.
Ist das nicht an sich schon ganz besonders?
Was also ist es, das so viele Menschen auf der Welt dazu verleitet, ihren eigenen Wert an zumeist äußeren, eher oberflächlichen Eigenschaften anderer Menschen oder / und Dingen zu messen, von der Meinung anderer / der breiten Masse abhängig zu machen und vor allem: anderen nachzueifern anstatt sich selbst zu wertschätzen wie man ist?
Was macht es so schwer bis unmöglich, einfach nur in seiner einzigartigen Großartigkeit man selbst sein zu können und die eigenen Wesenszüge und äußeren Merkmale zu akzeptieren, respektieren und zu lieben?
Warum nur hängt scheinbar so viel von äußerlich wahrnehmbaren Merkmalen ab, während das Wesen, Erlerntes, Fähigkeiten und Talente so blass bis unwichtig erscheinen?
Warum nur hängt scheinbar so viel von äußerlich wahrnehmbaren Merkmalen ab, während das Wesen, Erlerntes, Fähigkeiten und Talente so blass bis unwichtig erscheinen?
Das Leben wäre so erheblich angenehmer, komfortabler und befriedigender, würden wir (an)erkennen, dass wir zunächst einmal sind, wer wir sind, no matter what.
Das, was wir an materiellen Dingen anhäufen oder an Status erlangen, sind ja nicht wir, sondern all das ist das Ergebnis unseres Handelns, manchmal auch Ergebnis von etwas Glück und Kontakten, zuweilen natürlich auch "vererbt".
Gut. Nun mag der eine oder andere argumentieren: Das, was ich an materiellen Dingen anhäufe, kann ja das Ergebnis meiner Selbstoptimierung durch die Verbesserung meiner Fähigkeiten sein.
Korrekt.
Aber das steigert den eigenen Wert an sich nicht, sondern nur den (Markt-)Wert im Vergleich mit "Konkurrenten".
Jemand, den tiefe Selbstzweifel plagen, der mit sich selbst hadert und sich nicht akzeptiert, dem hilft schlussendlich kein hoch dotierter Job, keine tolle Torte, keine Mascara, kein Botox und keine 12.000,-- € Tasche.
Vielleicht liftet es das Ego ein wenig, für einen kurzen Moment (Frustkauf-Effekt), aber tief im Herzen, in der Seele, bleibt man exakt da, wo man ist. Wunden, die nicht heilen. Leise Stimmen des Selbstzweifels, die nach einiger Zeit wieder lauter und lauter werden und mit der nächsten Selbstoptimierung zum Schweigen gebracht werden wollen.
Ich denke, dass der Wunsch nach Selbstverleugnung der Selbstoptimierung überhaupt erst den Weg ebnet.
Die Selbstverleugnung funktioniert nicht, wenn wir in den Spiegel sehen und mit unseren vermeintlichen "Makeln" konfrontiert werden, also müssen wir handeln, damit wir unser ach so gehasstes Selbst endlich ausmerzen, verleugnen können.
Die Selbstverleugnung funktioniert nicht, wenn wir in den Spiegel sehen und mit unseren vermeintlichen "Makeln" konfrontiert werden, also müssen wir handeln, damit wir unser ach so gehasstes Selbst endlich ausmerzen, verleugnen können.
Wir wollen unsere Nase, unseren Bauch, unsere Herkunft, unsere Größe, unsere "Unzulänglichkeiten", welcher Art auch immer, verstecken, verleugnen - weil wir glauben, dass sie uns in den Augen anderer und im Vergleich zu anderen kleiner, schlechter, weniger wert erscheinen lassen.
Alter, biologische Höchstleistungen wie eine Geburt, das Leben und seine Spuren soll einfach glatt gebügelt, ausgelöscht werden, damit alles gut, besser läuft.
Alter, biologische Höchstleistungen wie eine Geburt, das Leben und seine Spuren soll einfach glatt gebügelt, ausgelöscht werden, damit alles gut, besser läuft.
Dabei sind wir vornehmlich von ebenso vermeintlich "unperfekten" Menschen wie uns selbst umgeben.
Die Mehrheit der Menschen ist eigentlich mehr oder weniger so wie wir.
Aber von denen wollen wir uns ja unterscheiden.
Wir wollen anders sein als die.
Und wir wollen anders sein als wir selbst.
Wie verrückt ist das?
Kennt ihr Situationen, in denen gerade irgendwie alles schief läuft oder man einfach eine nicht allzu gute Zeit durchmacht, und der spontane Impuls ist, einfach abzuhauen. Weg, nur weg!
Aber mal ehrlich: das funktioniert nicht. Probleme nimmt man immer mit. Egal, wohin man auch gehen mag.
Und genau so ist es mit uns selbst.
Wir können nicht vor uns fliehen. Wir sind immer da.
Egal, ob wir uns ein anderes Gesicht schnitzen lassen oder 20 Kilogramm abnehmen.
Urlaub von uns selbst, das gibt es nicht.
Ein Tapetenwechsel kann uns zwar gut tun, und ein neues Kleid steht uns vielleicht besonders gut, aber wir sind immer noch wir, völlig gleich, ob wir gerade in Moosbach in der Oberpfalz oder in Dubai sind, ob die Uhr 69,90 € oder
15.000,-- € gekostet hat.
Auch in Lebensläufen stoße ich - zuweilen auch in der Literatur - immer wieder auf einen Hang zur Selbstverleugnung.
Aus Kindeserziehung wird Familienmanagement, aus Arbeitslosigkeit wird berufliche Orientierungsphase.
Und obwohl es bereits seit 2006 das AGG, das Allgemeine Gleichstellung-Gesetz gibt, wonach man in einer Bewerbung zwingend keine Angaben mehr zu Geburtsdatum, Geburtsort, Geschlecht, Familienstand und Nationalität machen und auch sein Aussehen mittels Lichtbild nicht mehr preisgeben muss, hat sich dies hierzulande weitgehend noch nicht durchgesetzt, und ich bin sicher, dass zahlreiche Unternehmen eine Bewerbung, die ausschließlich Hinweise auf die Qualifikationen enthält, schlicht ignorieren.
In den Stellenanzeigen wird natürlich nicht ausdrücklich gesagt, dass man beispielsweise nur Männern den ausgeschriebenen Job anbietet, ein Lichtbild verlangt wird oder ein Bewerber bitte unter 40 zu sein hat.
Aber wer will das Gegenteil beweisen?
Schließlich muss die/der Bewerberin im Zweifel einklagen, sollte der Verdacht bestehen, dass eine Diskriminierung vorliegt, und das Unternehmen steht in der Beweispflicht, dass keine Diskriminierung im Sinne des AGG vorliegt, was jedoch sicher in den meisten Fällen möglich ist.
Und vor allem: Was habe ich im Ergebnis davon?
Kurz: Das AGG folgt einem guten Ansatz, der sich zumindest im Bewerbungsverfahren in England und den USA bereits lange durchgesetzt hat, bleibt hier jedoch seit Jahren immer noch überwiegend Theorie.
Und die Selbstverleugnung und Selbstoptimierung geht weiter.
Aber je mehr Menschen sich analog AGG verhalten, desto mehr setzt es sich vielleicht irgendwann durch.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Und vielleicht breitet sich die Welle der Erkenntnis, dass es doch eigentlich völlig egal ist, ob wir dick oder dünn sind, auch nach und nach mehr und mehr aus.
Aktuelle Bewegungen gegen Bodyshaming und for Body Positivity machen Hoffnung.
Auch so genannte FuckUpNights bilden ein Gegengewicht gegen die vermeintlich perfekte Social Media Welt, denn auch Scheitern gehört ebenso zum Leben dazu wie körperliche "Makel" und Narben.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Und vielleicht breitet sich die Welle der Erkenntnis, dass es doch eigentlich völlig egal ist, ob wir dick oder dünn sind, auch nach und nach mehr und mehr aus.
Aktuelle Bewegungen gegen Bodyshaming und for Body Positivity machen Hoffnung.
Auch so genannte FuckUpNights bilden ein Gegengewicht gegen die vermeintlich perfekte Social Media Welt, denn auch Scheitern gehört ebenso zum Leben dazu wie körperliche "Makel" und Narben.
Also ihr Lieben, streichelt hin und wieder eure Seelen, seid gut zu euch, schaut euer Spiegelbild an und sagt ihm, wie lieb ihr es habt, ob große oder kleine Nase, Speckröllchen oder flacher Bauch, dünnes oder dickes Haar.
Ihr seid einzigartig.
Ihr braucht nicht zu sein wie jemand anders, denn ihr seid bereits ein Jemand.
Ihr seid einzigartig.
Ihr braucht nicht zu sein wie jemand anders, denn ihr seid bereits ein Jemand.
Ich werde mich jetzt gleich ein wenig optimieren, indem ich ein "schlaues" Buch lese und meinen Horizont erweitere.
Und vielleicht lass ich auch irgendwann mal die Mascara weg, bevor ich rausgehe, weil ich der Meinung bin, dass ich auch ohne sie voll OK aussehe.
😉
Foto: istock



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