Macht und Kontrolle - I´m your LOVERBOY


Loverboy...das klingt nach Verliebtheit, süß u. harmlos. 
Ist es anfangs auch. 

Hinter der Loverboy-Masche verbirgt sich jedoch das Schlimmste, was man sich ausmalen kann.

Häufig sind junge, gerade volljährige Mädchen, in ihrem Charakter und Selbstwertgefühl noch ungefestigt und auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, die Opfer.

Treffen kann es letztlich jede junge Frau, da die Täter so glaubhaft eine Illusion vortäuschen, dass man keinen Verdacht hegt.

Sie sind in der Regel sehr gut aussehend und lernen ihre Opfer vor Schulen, bei Mac Donalds, besonders oft aber in den Sozialen Medien kennen.

Der Täter geht hier sehr gezielt und mit Bedacht vor.

Er ist lieb, charmant  umgarnt, heuchelt große Verliebtheit vor, beschenkt und verwöhnt seine jungen und hoffnungslos verknallten Opfer, die ihr Glück kaum fassen. 
Ein so gut aussehender, süßer Typ. 
Der die Idealvorstellung eines perfektem Mannes verkörpert, der reif wirkt, eine Zukunft will, Haus, Hof, Kinder, Familie.

Alles ist perfekt, und so geht es auch eine Weile.
Zwischen dem ersten Kontakt und dem ersten Kennenlernen vergeht Zeit.

Zeit, die der Täter dazu nutzt, mehr und mehr Vertrauen zu gewinnen.

Und es gelingt.
Gerade, weil sich alles gleichzeitig so ganz normal anfühlt. 
Eben so, wie wenn man jemanden nach und nach kennenlernt. 

In dieser Zeit horcht der Täter sein Opfer aus, bringt alles, jedes noch so intime Detail in Erfahrung. 

Man kommt schließlich zusammen, und der Täter spielt den großen Beschützer. Das Opfer wägt sich in Sicherheit in seinen starken Armen. Man träumt von einer gemeinsamen Zukunft in einem schönen Haus. 
Traumleben.

Aber die Mittel fehlen.

Manchmal lullt der Täter sein Opfer mit Zukunftsmusik und gemeinsamen Tagträumereien so ein, dass es einen Kredit aufnimmt. Man will ja zusammen so schnell wie möglich in den Sonnenuntergang gehen und nicht warten, bis man 30 ist und genügend Kohle hat.
Oft kommen Handyverträge und andere Anschaffungen auf Kredit dazu.

Das Opfer gerät so mehr und mehr in einen Druck aus Existenznot, Loyalität und Hoffnung.

Eine andere Alternative ist, dass der süße Traummann plötzlich anfängt, zu leiden, denn er braucht Geld, um sich und der Angebeteten das gemeinsame Traumleben zu ermöglichen. 

Oder aber er hat Schulden und die Gläubiger setzen ihm arg zu.

Er ist unter Druck, die Sorgen werden immer größer, das inszenierte Drama des Geliebten ist für die junge Frau kaum zu ertragen, sie möchte ihm so gern helfen. 

Und schließlich schlägt der Traummann vor, sich für ihn zu prostituieren. 
Nur vorübergehend. 
Weil sie ihn doch so liebt.
Und er liebt sie doch auch so sehr und schämt sich für seinen Vorschlag, aber es sei ja "für UNS", das alles sei nur vorübergehend, bis man endlich gemeinsam glücklich sein könne.

Das Opfer ist schockiert über einen solchen Vorschlag, wie kann er nur!?

Es folgen lange Diskussionen, in denen er ihr immer wieder sagt, wie sehr er sie liebe, sie sei das Universum für ihn, seine Zukunft, und für diese Zukunft müsse man doch kämpfen, und er hasse sich dafür, dass er so etwas von ihr verlangen würde, er würde sie auch immer beschützen in dieser kurzen Zeit, es sei ja nicht von Dauer und nur für den gemeinsamen Traum. Er zweifelt an ihrer Liebe und Loyalität zu ihm, setzt sie psychisch unter Druck.

Endlosschleife, Gehirnwäsche.

Bis sie schließlich selbst glaubt, sie sei es ihm und dem Traum vom gemeinsamen Glück schuldig. Nur vorübergehend.

Und sie tut es.

Aus Liebe, Hoffnung, Naivität.

Sie fühlt sich schlecht dabei, weint viel, und er tröstet sie, sagt ihr immer wieder, dass sie das gemeinsam durchstehen werden. Für den Traum von der gemeinsamen Familie, von Kindern, einem Haus mit Garten, dem Himmel auf Erden.

Das Opfer gerät in einem Alptraum, aus dem es so schnell nicht aufwacht, denn die Isolation von Familie und persönlichem Umfeld ist zu dem Zeitpunkt bereits erfolgreich vollzogen, da er sie davon überzeugen konnte, dass ihre Familie und ihre Freunde ihr nicht gut tun. Er sei der Richtige für sie, und nur er wisse, was sie brauche.

Das Opfer ist häufig komplett von seinem bisherigen Umfeld isoliert und für Familie und Freunde physisch abhanden gekommen.

Bis es begreift, dass der Traumtyp, der jetzt manchmal vielleicht sogar aggressiv und brutal ist, es belogen und ausgenutzt hat, ist es zu spät.

Was für  Außenstehende kaum vorstellbar ist, ist bittere Realität.

Die Dunkelziffer ist aufgrund von Scham, Angst oder fehlendem Opfer-Bewusstsein extrem hoch. Die Tendenz steigend.

Loverboys sind eiskalte, berechnende und raffinierte Menschenhändler, Zuhälter.

Sie suchen sich ganz gezielt junge Mädchen und Frauen in ihrer Suche nach Liebe und Anerkennung aus und nutzen deren Unerfahrenheit und Träume schamlos aus.

Das Schema ist immer gleich.

Die Täter gewinnen nach und nach das Vertrauen der Opfer, haben es nicht eilig.
Denn das würde auffallen.
Sie schüren Hoffnungen und isolieren das Opfer nach und nach von dessen Umfeld, übernehmen die Kontrolle, sorgen dafür, dass das Opfer sich verschuldet und in Existenznot, Abhängigkeit und einen Loyalitätskonflikt gerät.
Wenn das Vertrauen und die Verliebtheit des Opfers grenzenlos groß ist und eine Form von Hörigkeit erreicht hat, schicken sie es in die Prostitution. 

Bei einigen Opfern bleibt sogar ein Kontakt zu einer engen Bezugspersonen bestehen, häufig die Mutter. Diese bemerkt zwar, dass das Kind sich stark verändert hat, aber die Abhängigkeit und Liebe zum Täter ist so groß, dass die Opfer lange schweigen, und selbst wenn sie sich öffnen, wollen sie häufig keine Hilfe, denn sie glauben noch immer so sehr an die Liebe, sind vollkommen gefangen.

Drohungen und Gewalt hindern ebenfalls daran, abzuspringen und zu gehen.

Da es sich zumeist um gerade volljährige Opfer handelt, sind den Angehörigen die Hände gebunden.

Häufig hält das Martyrium über mehrere Jahre an, bis die Opfer irgendwann nicht mehr können oder durch einen Zufall gerettet werden können.

Manchmal haben sie bereits zahlreiche Anläufe genommen, den Täter anzuzeigen, und sind doch in letzter Sekunde davon zurückgewichen.

Die Täter zermürben die Opfer, bedrohen sie, terrorisieren sie.

Ist der Ausstieg gelungen, ist das Drama nicht vorbei.

Die Opfer haben ein schweres Trauma erlitten.
Nichts wird jemals wieder so, wie es mal war.

Viele Opfer entwickeln Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen, richten Gewalt gegen sich selbst und werden noch Jahre später durch Bilder, Musik, Gerüche oder Situationen getriggert.

Therapien.

Die Opfer bleiben für ihr Leben gezeichnet.

Aber auch ihre Familien.

Sie zerbrechen manchmal an der Last.

Das Vertrauen in Menschen und speziell Männer ist in den Grundfesten erschüttert.







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