MACHT und KONTROLLE - Auf der Suche nach der Liebe



Im digitalen Zeitalter hat sich unser gesamter Alltag verändert. 

Die Möglichkeiten sind schier endlos, Lebens- und Familienmodelle sind anders geworden, und so entstanden auch andere Wege, über die wir miteinander kommunizieren und uns kennen lernen können, und mit ihnen neue, veränderte oder drastischere Dating-Phänomene.


Geht es um die Liebe, sind wir besonders anfällig für Mechanismen von Macht & Kontrolle.
Herz besiegt Kopf und Wunschdenken schlägt Realität, wenn die Erfüllung des Traums von der großen Liebe zum Greifen nah ist.

Leichtes Spiel für DATING-Kriminelle und Herzensbrecher im 21. Jahrhundert.


Eine Datingmasche ist das GHOSTING.


Ist euch das schon einmal passiert, dass ihr jemanden kennengelernt habt, alles lief super, totale Verliebtheit, und plötzlich - Funkstille. 
Von jetzt auf gleich. 
Der neue Lover ist wie von Erdboden verschwunden. 
Einfach so.
Da alles so supertoll war, geht ihr zunächst einmal davon aus, dass irgend etwas passiert sein muss. Regelrecht besorgt seid ihr.

Bis ihr dann ernüchtert feststellen müsst: 
Der Traumtyp hat sich ganz einfach ohne ein Wort verpisst. 

Keine Nachricht mehr, keine Anrufe, ihr wurdet sogar geblockt.

Es ist so, als wäre er nie da gewesen. 
Wie ein Kind eurer Fantasie, ein GEIST.

Seit Tinder & Co. hat dieser Trend enorm zugenommen und lässt immer mehr ratlose und verzweifelte Menschen zurück, die sich einfach nicht erklären können, wie sie sich a) so täuschen konnten und wie man b) jemanden so täuschen kann!

Die Selbstzweifel wachsen, das Vertrauen schmilzt dahin.
Was hat man selbst nur falsch gemacht? 
Oder übersehen? 
War man nur dumm und naiv? 
Oder der andere einfach nur ein Arsch?
Wem kann man denn überhaupt noch vertrauen?

Mit dem Ghosting hat ein anderer Macht über sein Opfer ausgeübt und deutliche Spuren hinterlassen. Ghosting ist eine Form des Mobbing. Die Gründe hierfür sind zumeist Bindungs- oder Konfliktunfähigkeit, Gier nach Anerkennung oder/und Sex, Oberflächlichkeit und Feigheit, mangelnde Empathie und Egoismus.

Die eigentlich instabile und unreife Persönlichkeit steckt eher in dem, der ghostet. 
Jedoch, wie so oft, ist nicht er derjenige, der darunter am meisten leidet.



Ein anderer Trend beim Daten ist das ORBITING.

ORBITING übertrifft das Ghosting noch um einiges, denn die Täter verschwinden nicht nur unerwartet aus dem Leben ihrer Opfer, sondern bleiben über Social Media, also rein virtuell weiterhin sehr präsent. 

Hier ein Like, da ein kurzer Kommentar und dort ein Emoji, und jeder Post, jede Story wird verfolgt. 

Aber man kommt nicht mehr an sie heran.
Sie sind noch da, aber unerreichbar.
Sie stalken ihr Opfer im Netz, umkreisen es wie einen Satelliten, lassen es zappeln und halten sich ein Hintertürchen offen. 


Die Opfer, gerade noch frisch verknallt und nun emotional verunsichert, hängen bei aller Vernunft am Hoffnungsfaden, denn vielleicht ist „er ja nur vorsichtig“ oder „braucht nur ein bisschen Zeit“. 

Wenn man verliebt ist, möchte man glauben. 
An das Gute, an ein Happy End.

Das Verhalten der Täter ist konfus und weder ein NEIN, noch ein JA, und ein endgültiges Abschließen wird so erschwert bis verhindert.


Aber genau das wäre so wichtig, um aus dem verhängnisvollen Netz aus Macht und Kontrolle zu entkommen.


Schafft es das Opfer, eventuell selbst den "Stecker zu ziehen", passiert es nicht selten, dass der Hoster plötzlich wieder leibhaftig vor der Tür steht, und das Ganze fängt wieder von vorne an. Hoffnung ist ein idealer Nährboden für Spiele von Macht und Kontrolle.



Die nächste Datingmasche ist das BENCHING.

Es leitet sich vom englischen Begriff „bench“ ab, was „Bank“ bedeutet, und genau so muss man es sich vorstellen. 

Man wird „auf die lange Bank geschoben“, hingehalten.

Zunächst bemerkt man es gar nicht, da beständig Kontakt statt findet (vor allem online). 

Es wird geflirtet, Hoffnungen werden geschürt, es regnet Komplimente und andere Nettigkeiten, und so meint man, der andere sei vielleicht einfach nur zurückhaltend und wolle nicht gleich aufs Ganze gehen - vielleicht ein Zeichen von Reife, das vermittelt, dass der andere es ernst meinem könnte und deshalb lieber einen Gang zurück schaltet.
Wie süß! 

Und so rutscht man immer tiefer in die Position der Wartenden - bis man eines Tages merkt, dass dieser Zustand der Normalzustand ist und bleiben wird und man ein Benching-Opfer geworden ist. Erst jetzt geht einem auf, dass die gesamte Kommunikation durch Schwammigkeit gekennzeichnet war.


Nie gab es konkrete und verbindliche Ansagen oder Verabredungen, alles war immer bis zur letzten Sekunde „offen“.


Mal war es Stress im Job, die kranke Katze oder was auch immer.


Benching-Täter sind in der Regel unsicher und unreif, können sich und ihre Gefühle nicht einordnen und wissen nicht, was sie wollen: Liebe, lockeren Flirt, oder vielleicht nur Sex? 


Sie verstehen sich selbst nicht und stehen oft mit sich, ihren Gefühlen und der Selbstannahme auf dem Kriegsfuß. Wie sollen sie sich da ernsthaft auf jemand anderen einlassen?

Allein sein wollen sie aber auch nicht, und so benchen sie ihre Opfer eben und behalten die Kontrolle über Nähe und Distanz.






Beim STASHING fängt alles so richtig gut an.
Man ist innig, verbringt viel Zeit miteinander und schließlich ist man ein Paar, führt eine feste Beziehung. 

Häufig bleibt man im gemütlichen Nest - zu Hause ist es halt am schönsten - und hält sich dabei immer in der Wohnung des Opfers auf. 
Selten trifft man Freunde, und wenn, sind es ebenfalls die des Opfers.

Aber das fällt zunächst nicht auf, denn man ist happy, alles ist ja so harmonisch. 

Erst nach und nach spürt man, dass irgendetwas faul ist, denn während man selbst sich Stück für Stück öffnete und offenbarte, die neue Liebe den Freunden vorstellte und den Täter immer mehr ins eigene Leben ließ, hat der in der gesamten Zeit nichts dergleichen getan. 

Null. Nada.

Man kennt nichts und niemanden aus seinem Leben und weiß eigentlich gar nichts über sein Umfeld, das er die ganze Zeit gut vor einem abgeschirmt hat.


Schließlich bemerkt man, dass er auch in den Sozialen Medien nie ein einziges Wort über seine neue Partnerin verliert. Will man zum Beispiel ein gemeinsames Foto posten und den Geliebten taggen, wird dies verhindert.


Alles, was an Gemeinsamkeiten irgendwie nach außen dringen kann, wird unterbunden.

Möglicherweise ist das der Zeitpunkt, an dem man feststellt, dass man einem STASHER auf den Leim gegangen ist.


Hinterrücks hatte er die ganze Zeit die Macht und die Kontrolle über die Beziehung und somit auch über das Seelenheil seines Opfers.

Stashing kommt vom englischen Wort to stash und bedeutet bunkern, verstecken, verstauen.


Prince Charming versteckt seine Holde also ganz bewusst vor seinem Rest der Welt und hält sein „Singleleben“ auch peinlichst vor einem versteckt. 


Im für alle sichtbaren Universum von Mr. Right existiert man quasi gar nicht.

Dahinter kann nun einerseits eine mögliche andere Partnerin stecken.
In vielen Fällen handelt es sich jedoch schlicht um bindungsunfähige oder/und ängstliche, unsichere Persönlichkeiten, die auf jeden Fall eins nicht können oder wollen: 

eine Bindung eingehen.

Stashing, zumal häufig erst spät bemerkt, kann gehörig am Ego nagen und langfristige Spuren beim Opfer hinterlassen.


Bäm! 
Beim LOVEBOMBING schlägt die Liebe im wahrsten Sinne ein wie eine Bombe.
Der neue Lover ist einfach ein Träumchen. 

Er vereint alles, was man nie in einer einzelnen Person für möglich gehalten hatte.

Er überhäuft seine Angebetete mit Komplimenten, Aufmerksamkeiten, Geschenken, Zettelchen am Spiegel, Blumen unterm Scheibenwischer, wenn man sich die Hand verstaucht hat, macht er unaufgefordert einen Termin beim Spezialisten, er übernimmt Verantwortung, überrascht mit Wochenendtrips, liest einem jeden Wunsch von den Lippen ab, er schwärmt ununterbrochen davon, wie glücklich er ist, seine TRAUMFRAU gefunden zu haben, er redet von Zukunft, schickt häufig Whats App-Nachrichten, man verbringt jede freie Minute zusammen, der Typ ist klug, lustig, erfolgreich, ernsthaft an einem interessiert, total hilfsbereit, man teilt alle Interessen, hach....seufz.

Kurz: man sitzt verliebt grinsend und fassungslos vor Glück auf Wolke sieben, denn eigentlich ist das alles zu schön, um wahr zu sein.

Sehr, sehr häufig ist es das dann auch tatsächlich, und das Erwachen aus diesem bombastischen Liebestraum, entpuppt sich als zerstörerischer Albtraum, der häufiger vorkommt als man meint.

Das Lovebombing ist eine besonders perfide Form der Manipulation.


Eine mögliche Folge ist das MOSTING, welches eine Kombination als Ghosting und Lovebombing ist.


Nachdem nämlich der Mr. SOWAS von Right seiner Herzdame schnell zu verstehen gegeben hat, dass die Liebe bei ihm eingeschlagen hat wie eine Bombe, Love at first sight, dass man DIE Traumfrau ist, dass er sich ALLES mit einem vorstellen kann und das auch absolut überzeugend konstant und unfassbar süß, fantasievoll und glaubhaft unter Beweis stellt, so dass man gar nicht anders kann, als ihm hoffnungslos zu verfallen, genau in dem Moment, wo sein Opfer wie Wachs in seinen Händen ist und bereits die Hochzeitsglocken läuten hört, passiert das Unfassbare:

Der perfekte Mann, mit dem man gerade noch in einer zukunftsweisenden Beziehung war, der einen anbetete und die Erde küsste, auf der man ging, verschwindet.
Von jetzt auf gleich.
Ohne Vorwarnung. 


Keine Nachricht mehr, kein Anruf, keine Reaktion, kein Lebenszeichen.
In dem Moment, wo das Opfer die maximale Fallhöhe erreicht hat, verschwindet der Moster aus dem Leben seines Opfers, und die Zurückgelassene kracht mit Höchstgeschwindigkeit von ganz weit oben auf den sehr harten Boden der Tatsachen.

Beim Mosting handelt es sich um eine besonders perfide und grausame Art der Manipulation, welche die Opfer nicht selten völlig zerstört zurück lässt.


Die Gründe für ein solches Verhalten mag man sich kaum ausmalen. Manchmal ist es für die Täter tatsächlich nur ein Weg zum Vertrauen der Opfer und somit zum zu Sex.
Der Kick ist hier ein anderer als bei bereitwilligen One Night-Aspirantinnen.


Psychologisch erklärt wird das MOSTING häufig mit Komplexen, damit verbundenem Narzissmus und der Lust nach MACHT und KONTROLLE.



Eine andere schmerzhafte Kehrtwende, die häufig auf das LOVEBOMBING folgt, ist eine toxische Beziehung mit einem Narzissten, in der seine Opfer häufig über Jahre bis Jahrzehnte gefangen sind, bevor sie das komplexe Geflecht aus Liebe und Vernichtung, Macht und Kontrolle durchschaut haben.

LOVEBOMBING sollte seine Opfer misstrauisch machen, denn hier passiert alles ein Stück weit over the top, so schön es sich auch anfühlen mag und so sehr man sich einen dermaßen krass verliebten, fürsorglichen und aufmerksamen Partner auch wünschen mag.


Über Narzissten und toxische Beziehungen soll es in einem der folgenden Beiträge gehen.










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