Über das Schweigen



Lärm zählt zu einer der größten Stressquellen unserer Zeit, und Stress ist eine der Hauptursachen für psychische Erkrankungen, die insgesamt stark zugenommen haben. 

In Zahlen:
Laut BKK Gesundheitsreport 2018 stieg der relative Anteil psychischer Erkrankungen in den letzten 40 Jahren von 2 auf 16,6 Prozent, und die durch psychische Erkrankungen ausgelösten Krankheitstage haben sich derweil verfünffacht. Psychische Erkrankungen bilden heute die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen.
Die durchschnittliche Dauer psychisch bedingter Krankheitsfälle ist mit knapp 39 Tagen mehr als dreimal so hoch wie bei anderen Erkrankungen (rund 13 Tage im Durchschnitt). Psychische Erkrankungen sind ferner die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentung. Die Krankheitskosten *) für psychische Erkrankungen betragen 44,4 Milliarden Euro pro Jahr, eine enorme Belastung für Unternehmen und für die Volkswirtschaft.

Neben den gestiegenen Ansprüchen an uns und der veränderten Lebensweise und zumeist damit einhergehender Mehrfachbelastung sind wir heutzutage auch vermehrt Lärmquellen ausgesetzt: Straßenverkehr, Flugzeuglärm, Schienenverkehr, Industrielärm, Freizeit- und Nachbarschaftslärm, Windkraftanlagen, Handyklingeln und -signale, Computer- und Konsolenspiele uvm.
Unser Leben ist lauter geworden.
Häufig ist auch unsere Nachtruhe durch latenten Umgebungslärm wie beispielsweise Straßenverkehr gestört.

Und während das Hören lauter Musik oder das ungeschützte Arbeiten an lauten Maschinen vor allem das Gehör schädigen kann (sogenannte aurale Auswirkung von Lärm), ist hier die vorrangig psychische Belastung durch unerwünschten oder/und kontinuierlich unfreiwilligen Lärm, dem man ausgesetzt ist, und deren Folgen vordergründig (extra-auraleWirkung von Lärm = gesamter restl.Organismus)

Lärm wirkt auf unser Herz-Kreislauf-System ein und erhöht somit das Erkrankungsrisiko. Bei Lärmbelastung können Stressreaktionen entstehen, die wiederum Körperfunktionen wie die Herztätigkeit beeinflussen können.
Die erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol im Blut können Folgen von Dauerstress durch Lärmbelastung sein. Die vermehrte Produktion von Stresshormonen und Schlafstörungen wird mit einem erhöhten Risiko für Diabetes des Typ 2 verbunden. 

Eine Studie *2) mit Grundschulkindern, die an ihrem Schulstandort der permanentem Fluglärmbelastung ausgesetzt sind, ergaben, dass ein Zusammenhang zu deren Leseleistung besteht. 

Ein permanent erhöhter Lärmpegel ist besonders in den Ballungsgebieten der Fall. 
Laut Lärmkartierung des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2018 *3) (Messwerte 2017)
sind rund 2, 3 Mio Menschen regelmäßig einem Tag-Abend-Nacht-Lärmindex von über 65 dB(A) und rund 2,6 Mio Menschen einem Nachlärmindex von über 55 dB(A) ausgesetzt. Beim Schienverkehrslärm lagen die Werte bei rund 1 Mio bzw. nachts bei 2,0 Mio.

Zum Vergleich: ein Staubsauger liegt bei ca. 70 Dezibel, der Lärm an einer Hauptverkehrsstraße bei 85 Dezibel.
(Quelle: Hoerex.de)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, dass die nächtliche Lärmbelastung einen Mittelungspegel von 40 Dezibel (dB(A)) nicht überschreiten sollte (WHO 2009),
um negative Gesundheitswirkungen zu vermeiden. Bei einer nächtlichen Lärmbelastung auf mehr als 55 dB(A) oder einem sog. Mittelungspegel am Tag von mehr als 65 dB(A) erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisbar.

Laut WHO lassen sich mindestens fünf unterschiedliche Wirkungsfelder von Lärm auf den Menschen differenzieren:

• Herz-Kreislauf-Erkrankungen
• Schlafstörungen
• kognitive Entwicklungsstörungen bei Kindern
• Tinnitus und
• Belästigung

Darüber hinaus wird Lärm inzwischen auch als Risikoindikator mit dem Auftreten der unipolaren Depression von WHO, der EU und der Lärmwirkungsforschungslandschaft in Verbindung gebracht.
*4)

Es gibt zahlreiche Grenzwertrichtlinien und gesetzliche Vorschriften, die vorrangig dem Schutz von Arbeitnehmern und der Bevölkerung dienen.
Richtlinie zum Lärm am Arbeitsplatz, gesetzliche Regelung zur Maximallautstärke Mobiler Musikspieler, Lärmschutz nach Bundesimmissionsgesetz (BImSchG), das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm, Freizeitlärmrichtlinien, Umgebungslärmrichtlinien, Spielzeugrichtlinien usw. sollen dazu beitragen, den alltäglichen Lärm, dem wir ausgesetzt sind, zu regulieren und reduziere, wobei man jedoch regelmäßig an Grenzen stößt, da beispielsweise das Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit dem Eigentumsrecht und dem Recht auf Bestandsschutz entgegensteht.
(„Bestandsschutz bezeichnet im Baurecht das Recht des Eigentümers, eine bauliche Anlage verbunden mit einer bestimmten Nutzung, die ursprünglich legal war oder zumindest formell durch Erteilung einer Baugenehmigung legalisiert wurde, auch dann weiter erhalten und nutzen zu können, wenn die Anlage mit dieser Form der Nutzung aufgrund einer Änderung der Rechtslage nicht mehr neu errichtet werden dürfte.(…)“Quelle: Juracedimy.de)

Zum Umweltlärm, den wir aufgrund Gewohnheit häufig noch nicht einmal mehr bewusst wahr nehmen,  kommen in unserem immer schneller werdenden und leistungsorientierten Alltag weitere Belastungsfaktoren hinzu, so dass wir bereits von klein auf einem permanenten Beschuss von mehr oder weniger signifikanten Stressauslösern ausgesetzt sind. 

Die Dosis macht das Gift.

Es verwundert nicht, dass der stress- und lärmgeplagte Mensch sich immer mehr nach Ruhe und Erholung sehnt und das Interesse an Achtsamkeit und Meditation in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, und in diesem Kontext lesen wir häufig von so genannten Schweigeretreats oder Schweigeklöstern.

Schweigen…mmmh… eigentlich doch ganz leicht, könnte man meinen.
Einfach mal nix sagen halt.

Ganz so einfach ist es hingegen nicht.

Schweigen ist eine Form der nonverbalen Kommunikation, bei der nicht gesprochen wird und bei der auch keine Laute erzeugt werden.“, lesen wir bei Wikipedia.

So weit, so logisch.

Schweigen ist jedoch weit mehr als die Abwesenheit von Reden.

Schweigen und Ruhe ist einerseits allgegenwärtig und andererseits heutzutage schwer zu finden.

Durch bewusste Momente der Stille wird aus Noten erst eine Melodie. 
Wir stillen ein Baby. 
Durch Stille nehmen wir das Laute überhaupt erst wahr.

Über die Stille und das Schweigen gibt es zahlreiche Zitate berühmter Persönlichkeiten.

"Indem sie schweigen, rufen sie laut." (Cicero) 

"Ist dir die Einsamkeit gute Gesellschaft, dann, Glücklicher, zähle zu denGlücklichsten dich;
aber verschweige dein Glück
." (Friedrich Ludewig Bouterweck) 



"Allzu tiefes Schweigen macht mich so bedenklich wie zu lauter Schrei.“ (Sophokles)

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ (Volksweisheit)

„Es geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch Geselligkeit.“ (Friedrich Nietzsche)

„Die Stille stellt keine Fragen, aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben. (Ernst Ferstl)

Manch einem fällt das Reden schwer, vor allem vor vielen, ein anderer kann seine Klappe nicht halten. Der eine redet unentwegt, der andere kriegt die Zähne nicht auseinander, wie es so schön heißt.

Worte können liebkosen, streicheln, beruhigen, aber auch treffen, verletzen, zerstören.
Worte bilden oder verblenden, formen oder deformieren.
Worte sind mächtig.
Ein falsches Wort zur falschen Zeit kann ein ganzes System ins Wanken bringen.

All das trifft jedoch ebenso auf das Schweigen zu.

Worte haben Macht.
Schweigen kann gewaltig sein.

Und ebenso wie Lärm uns, unser Leben und unsere Gesundheit beeinträchtigt, so kann auch das Schweigen erheblich dazu beitragen.

Das Netz ist voll von Erfahrungs- und Erlebnisberichten über das Schweigen und Meditieren, und was einem hier immer wieder begegnet, ist die Erkenntnis, dass das bewusste Schweigen über einen längeren Zeitraum eine der größten Herausforderungen überhaupt zu sein scheint.

Schweigen scheint eine regelrechte Meisterdisziplin zu sein, die zu beherrschen ein weiter Weg ist.

Nicht nur, dass wir quasi rund um die Uhr von Geräuschen, Stimmen und Lärm umgeben sind, sondern auch, dass die „Stimmen in unserem Kopf“, unsere Gedanken und Empfindungen nonstop auf uns einwirken und in der Stille unerträglich laut werden, erzeugt innere Unruhe. Viele kennen das. Man wacht nachts auf und schwupp ist der Kopf an.
Gedankenkarussell.

Meditationsanfänger und Teilnehmer von Achtsamkeitsseminaren oder Kursen für Entspannungstechniken berichten zu Beginn ihrer Reise häufig davon, dass es ihnen schier unmöglich zu sein scheint, an „nichts“ zu denken und so einen Zustand der subjektiv empfundenen Ruhe und Entspannung zu erlangen. Der Versuch, in einen entspannten Zustand zu kommen, wird dadurch häufig als Stress empfunden, was nicht selten dazu führt, dass Menschen der Meinung sind, Meditation, Autogenes Training oder andere Entspannungstechniken seien „nichts für sie“ und sie deshalb aufgeben, bevor sie überhaupt angefangen haben.

Entspannung, Ruhe, Erholung, Schweigen wird aufgrund unserer Gewohnheiten häufig als anstrengend empfunden.

Und auch das Schweigen, das bewusste Wahrnehmen von dem, was in der Stille stattfindet, kann am Anfang als sehr laut und belastend wahrgenommen werden.

So wie alles im Leben bedarf es auch beim Meditieren und Schweigen einer gewissen Übung und Routine. 

Unser Leben ist vorrangig praktisch, auf äußere Aktivität ausgerichtet. Auch und besonders unsere Sinneswahrnehmungen richten sich primär nach außen, umso mehr im digitalen Zeitalter.

Kontemplative Praktiken hingegen, das konzentrierte Betrachten anstelle des aktiven Handelns, spielen in unserem Alltag eine untergeordnete bis keine Rolle.

Nicht allein Schulkindern scheint es immer schwerer zu fallen, auch nur wenige Minuten still, schweigend und betrachtend zu verbringen. Auch wir Erwachsenen ertappen uns dabei, beim vermeintlichen „Nichtstun“ zum Handy zu greifen.

Unsere Gedanken sind überwiegend in der Vergangenheit oder beschäftigen sich mit der Gegenwart. Wir hadern mit dem Gestern und strampeln uns ab für ein ungewisses Morgen und vergessen dabei das Hier und Jetzt.

Mit der kontinuierlichen Zunahme der äußeren Reize und dem unbeschränkten Zugang zu Informationen und dem Rest der Welt ist uns mehr und mehr die Fähigkeit abhanden gekommen, zu schweigen und zu verharren.
Und sogar an Orten, die eigentlich der Erholung vom Alltag dienen sollten, beispielsweise die Hotelanlage im Urlaub, geht es nicht selten vor allem um einen eng getakteten Terminplan und non stop Entertainment und Action für Kinder und Erwachsene, die Schlacht am Buffet und geräuschvolle Animation am Pool.

Die Flucht vor dem Nichtstun. 
Nichts hören. 
Nichts sagen. 
Nichts denken.

Allein der Gedanke daran lässt in manch einem die nackte Angst aufkommen.

Beim gemeinsamen Schweigen, beispielsweise in einem Schweigekloster, entsteht eine ungewohnte, uns fremde Situation. Wir finden uns mit uns selbst konfrontiert. Unser Geist bäumt sich gegen das Nichtstun auf. 

Unser Alltag ist wie aufgewirbelte Erde, wie ein permanenter Wind oder Sturm, wie Regen, der auf einen See prasselt.

In der Meditation, im Schweigen, setzt sich nach und nach der Sand, sinkt zu Boden, es wird still, der Regen setzt aus, wir erkennen mehr und mehr den Grund des Sees, er ist spiegelglatt, so dass wir uns selbst darin immer klarer erkennen können.

Unser Geist gerät durch die Ruhe zunächst in große Unruhe, da er im Alltag Strategien erlernt hat, die uns von unseren tiefen Gefühlen und Bedürfnissen abtrennen. 
Wir flüchten, überdecken, tarnen und blenden aus.
Wir funktionieren.
Erfüllen Erwartungen, die häufig mit unseren eigenen Überzeugungen und Wünschen kollidieren. Ihnen nachzugeben, wäre möglich, zöge aber meistens Konsequenzen nach sich, die zu tragen wir nicht in der Lage oder nicht bereit sind.
Unsere inneren Stimmen versuchen wir zu übertönen. 

Wenn wir jedoch schweigen, müssen wir ihnen zuhören.

Auf das Schweigen müssen wir uns einlassen.
Es akzeptieren.
Es zulassen.
Damit einverstanden sein.

Und damit dem Geist Raum bieten, seine eigene Wanderung zu machen, wo auch immer es ihn gerade hinzieht.
Dies kann uns zu einer tief empfundenen Ruhe und Zufriedenheit und so zu Entspannung und Erholung verhelfen. Zu Erkenntnissen, Entscheidungen und Veränderungen. 

All das passiert natürlich nicht über Nacht.

Es bist eine Reise, die man auf unterschiedliche Weise antreten kann.

In Schweige-Retreats oder in Meditationszentren oder -tempeln beispielsweise begibt man sich nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen auf die Reise des Schweigens.
Die Gruppen können hier unterschiedlich groß sein, und die Art des Schweigens kann auf  unterschiedliche Weise erfolgen, mal sitzend, mal gehend, mal in der Natur oder in einem geschlossenen Raum.

Es ist nicht unüblich, dass diese Erfahrung auch irritierende Gedanken und Gefühle entstehen lässt. Gefühle des Alleinseins, obschon man mit vielen Menschen zusammen in einem Raum ist. Assoziationen zu schmerzhaften Erfahrungen und Gefühlen der Einsamkeit und der Isolation können entstehen. Vergangenes und Verdrängtes kann getriggerrt werden. Auch entwickelt manch einer plötzlich sehr intensive Gedanken und Emotionen, bezogen auf die Gruppe, die in der totalen Stille plötzlich als Projektionsfläche dient. 

Unser Leben wird in der Stille wahrnehmbarer.
Unser Puls, der Herzschlag, das Fließen des Blutes durch die Adern.
All das kann Angst auslösen. 

Warum also die Stille suchen? 

Stille ist ein Bestandteil nahezu aller Religionen und Meditationsformen.
Die äußere Stille, also das Fehlen von Geräuschen und Lärm, erleichtert den Zugang zu einer inneren Stille. Man spürt seinen Atem, der wie ein Metronom den Takt vorgibt. Und mit jedem Atemzug wird unser Atem ruhiger und der Weg zur inneren Einkehr geebnet. Gedanken kommen und gehen, und wir sind mehr und mehr in der Lage, unseren Verstand zu kontrollieren und erlangen Klarheit über unseren Geist. Wir nehmen Kontakt zu unserer inneren Welt auf. Je tiefer wir in sie versinken, desto mehr sehen und verstehen wir sie, verstehen wir uns. 

Die Annahme des Zen als Erfahrungsweg besagt:
Alles, was wir wahrnehmen, sind wir nicht.

Wer also sind wir? 
Die Stille ermöglicht es uns, das zu erforschen.
Wir schulen unser Bewusstsein und trainieren unseren Geist.
Das Gewahrsam im Hier und Jetzt, die innere Ruhe, das Verweilen in der eigenen Mitte und die Fähigkeit, einen Augenblick so wahrzunehmen wie er wirklich ist, ist den meisten von uns abhandengekommen.

Wir bewegen uns primär an der Oberfläche, wo unser Denken die Oberhand hat.

In der Meditation, in der Stille, können wir weiter vordringen zu dem, was unter der Oberfläche liegt. Jeder erfährt und erlebt seine eigene Transformation. Wer Weg ist das Ziel. Das Ziel ist das Selbst ist der Weg.

In der Stille können wir nicht nur tiefe körperliche Entspannung erfahren, sondern wieder eins werden mit uns selbst.

Im Coaching begegnet mir häufig eine Zerrissenheit zwischen Wunsch und Realität, den Träumen von einst und dem Leben, das man führt, zwischen dem Wollen und dem Können, dem Denken und Handeln, zwischen Sehnsucht und Tun zwischen Mitteilen und Schweigen.

Äußere Faktoren werden allzu häufig genannt, geht es darum, entgegen seiner eigenen Wünsche und Überzeugungen zu leben. Viele nehmen sich als Akteur in einem Drehbuch wahr, dessen Regie andere übernommen haben. Manch einer hat aufgehört, darüber nachzudenken, dass oder warum es so ist. Wieder andere kapitulieren und nehmen dieses fremdgesteuerte Leben gar als das eigene wahr, völlig gelähmt und unfähig, etwas zu ändern. Sinnlosigkeit.

Jedoch:
Wir treffen immer die Entscheidung.
Wir sind der Meister unseres Lebens.
Wir haben immer die Wahl.

Wir entscheiden uns für den Lärm um uns herum, den Lärm in uns oder für die Stille.
Für ein Leben nach äußeren Erwartungen oder nach unserem inneren Kompass.

Es ist die Angst, die uns häufig daran hindert, einem inneren Impuls zu folgen und die Herausforderung hinter dem Schweigen, der Stille anzunehmen.

Wir lenken uns ab, verdrängen und übertönen.
Unsere Gedanken, unsere Wünsche, unseren seelischen Schmerz, der sich häufig einen anderen Weg sucht, um sich Gehör zu verschaffen. Manchmal setzt er sich fest in unserem Magen, unserem Rücken oder einem Organ, und wieder versuchen wir, ihn zu betäuben. Wir gehen zum Arzt und nehmen Medikamente. Wir halten durch. Wir machen weiter.
Funktionieren.

Manchmal führt all das dazu, dass nichts mehr funktioniert.
Nur noch Schweigen um uns herum. 

Schweigen bringt uns näher zu uns. 
Die leisen Stimmen, die wir oft totreden, könnten mehr und mehr Gewicht bekommen und uns verfolgen, lauter und lauter werden und uns dazu bringen, etwas zu verändern.

Veränderung macht Angst. 

Sie hat immer auch mit Entscheidungen und Konsequenzen zu tun. 
Konsequenzen, die uns näher zu dem führen, was uns ruft.

Aber wir fürchten die Konsequenz, da sie uns aus unserer gewohnten Umgebung, aus unserem gewohnten Rhythmus, unserer Komfortzone holt, mit der wir uns doch so gut arrangiert haben. 

Wir bringen unsere innere Stimme zum Schweigen.
Aus Angst vor dem Schweigen.




            







*  ) Destatis 2017
*2) NORAH-Studie („Noise-related annoyance, cognition, and health“)


Kommentare

Beliebte Posts