Noch´n Buch oder: Was wir Frauen wirklich bräuchten
Wie geht´s euch heute?
Ich frage euch Frauen.
Ich frage vor allem die Mütter, die Mehrfachmütter, die verheirateten Frauen, die verlobten Frauen, die Alleinerziehenden, die berufstätigen Mütter, die berufstätigen Alleinerziehenden, die Mütter, die ein Familienmitglied pflegen, die Mütter, die mehrere Kinder haben und arbeiten gehen, die Mütter, die arbeiten gehen, mehrere Kinder haben und zusätzlich noch jemanden pflegen, die Alleinerziehenden mit Doppelt- und Dreifachbelastungen, die Alleinerziehenden, die sich auch noch mit dem Kindsvater und dem Gericht herumplagen müssen und, und, und…all die zahllosen Frauen/Mütter, die tagein, tagaus in allen möglichen Konstellationen und mit allen möglichen Herausforderungen mehr überleben als leben, frage ich:
Wie geht es euch?
Wie ist es euch so in den letzten Jahren, Monaten, Tagen, Stunden ergangen?
Wie ist das so mit dem Workload bei euch?
Wie ist euer Tag getaktet?
Wer kümmert sich bei euch nicht nur um das Offensichtliche, sondern auch um all das, was man nicht sieht, das aber dennoch wie von Heinzelmännchen erledigt wird und viel Energie und Zeit raubt? Von der - mal wieder - nicht ausgewechselten Klorolle über das Bettenbeziehen, den TÜV-Termin, das Entschuldigungsschreiben, den Vorsorgetermin und die Buchbestellung bis zur Besorgung von Schulsachen, zahlreichen Unterschriften, Backen und Dekorieren für´s Kitafest und dem Wecken der Kinder?
Und wie ist das so mit der Karriere bei euch Müttern? Läuft?
Wie ist das so mit dem Einkommen und der Besteuerung bei euch verheirateten Frauen?
Und mit der Rente, die ihr einmal erhalten werdet?
Nicht zu vergessen: Wie steht es bei euch Alleinerziehenden?
All das und noch mehr sind Themen, die seit Jahr und Tag immer und immer wieder und mehr und mehr thematisiert und beklagt werden. In den Sozialen Medien, hin und wieder in Funk und Fernsehen, in Podcasts und auch in einer stetig wachsenden Zahl an Büchern.
Von Romanen über Erfahrungsberichte bis hin zu praktischen Ratgebern findet sich zu nahezu jedem Thema, das vornehmlich Frauen ärgert, belastet, nervt, bedrückt, erdrückt, wahlweise wütend, sprachlos oder arm macht, ein Buch.
Die meisten dieser Bücher haben absolut ihre Berechtigung, und viele davon sind auch wirklich wichtig und gut. Sie geben Tipps und vermitteln den Frauen das Gefühl, nicht allein zu sein mit all ihrem Ballast.
Allerdings, und das treibt mich schon lange um, werden diese Formate und Bücher zu 99% von jenen gelesen, die selbst betroffen sind:
Genervte Ehefrauen und Mütter, Alleinerziehende, Ex-Frauen, Frauen, denen die Kinder entrissen wurden, Frauen, die jeden Tag einen irrsinnigen Balanceakt hinlegen, um alles am Laufen zu halten, Frauen, die denselben Job wie ihre männlichen Kollegen machen, aber weniger verdienen, Frauen, deren Karriere wahlweise mit dem ersten Kind oder aufgrund des Umstands, dass sie eben noch KEIN Kind hatten, beendet war, Frauen, die nach Jahren des Wohlstands und des Familienmanagements durch eine Scheidung plötzlich in Armut leben, verklagt und stigmatisiert werden…. usw.
Diese zumeist weibliche Leserschaft füllt die Kommentarspalten und verfasst Rezensionen, empfiehlt die Lektüre des einen oder anderen Titels anderen Betroffenen und dann - geht alles weiter wie bisher.
Nur, dass man sich eben etwas besser verstanden und nicht mehr so allein mit seinen Problemen fühlt.
Eine echte Veränderung erleben - wenn überhaupt - nur die Verfasserinnen dieser Bücher durch etwas mehr Bekanntheit und ggf. durch das generierte Einkommen auf ihrem Konto.
Es sei ihnen von Herzen gegönnt, aber…
Da es sich in den meisten Fällen um Nischenliteratur handelt, gehe ich mal stark davon aus, dass die wenigsten Schreiberinnen wirklich reich davon werden.
Oder anders ausgedrückt: Romane mit Herz, Schmerz und Protagonistinnen, die irgendwie sympathisch verpeilt durch ihr Leben stolpern und am Ende doch immer irgendwie den Traumjob, Traummann, das Traumhaus oder einfach nur ihren Weg finden, verkaufen sich deutlich besser.
Also: all die solidaritätsbekundende und unterstützende Erfahrungs- und Selbsthilfeliteratur ist schön und gut, hilft uns Frauen aber so gut wie gar nicht, geht es darum, all die beklagten und beschriebenen Missstände zu verkleinern oder zu beseitigen!
Stattdessen kommt das zehnte Buch über all die Ungerechtigkeiten auf den Markt, und wieder wird geklatscht und gejubelt, dass es einem ja ach so sehr aus der Seele spricht, dass man all das GENAU SO auch erlebt hat, dass man die Autorin feiert usw., und dann geht man zur Tagesordnung über.
Bücher scheinen eine Art verlängertes Ventil des eigenen Frusts zu sein. Anstatt man selbst gegen einen ungeliebten Missstand ankämpft, tut es eine andere in Form eines Buches oder whatever, und das eigene Gleichgewicht scheint irgendwie - zumindest für einen Moment - wieder hergestellt.
Nicht falsch verstehen: Ich gönne es von Herzen jeder Frau, jeder Mutter, ein erfolgreiches Buch über die Sorgen, Nöte und Probleme, denen sich so unendlich viele Frauen gegenüber sehen, zu veröffentlichen. Schlussendlich hat das Schreiben immer auch einen therapeutischen Nutzen. Es kann bei der eigenen und bei der Heilung anderer helfen. Es kann Verbundenheit mit anderen Betroffenen herstellen.
Und genau da liegt aber gleichermaßen das Problem:
Wenn überhaupt so etwas wie Solidarität entsteht, dann nur von denen, die es selbst betrifft. Von anderen kommen vielleicht Mitleidsbekundungen oder aber irritiertes Kopfschütteln bis hin zu Ignoranz, denn so lange man nicht selbst betroffen ist (oder zumindest GLAUBT, nicht betroffen zu sein), entsteht auch keine echte Betroffenheit.
Und nach dem ´zigsten Podcast, Ratgeber, Instagramaccount oder Erfahrungsbericht müssen wir uns die Frage stellen:
Und nun? Weitermachen, weiterjammern, weiterächzen, weiter benachteiligt sein und bleiben, uns weiter catcallen, beleidigen, schlagen lassen, währenddessen weiter Bücher lesen und Podcasts hören und es sich gemütlich machen inmitten der eigenen Bubble der von Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeiten geplagten Weiber?
Bis zur nächsten Pandemie?
Bis zum nächsten Gerichtstermin?
Bis zur nächsten Eskalation mit dem Gatten / Ex-Gatten?
Apropos:
Ehe ist ein gutes Stichwort.
Habt ihr solche Aussagen schon einmal gehört?
„Wow, da hast du dir aber echt den Falschen ausgesucht“,
oder „Das muss man doch vorher wissen, mit wem man sich da eingelassen hat“,
oder „Mit meinem Mann wird das niemals passieren. Das ist die ganz große Liebe.“
oder auch „Ehevertrag, und gut ist.“
Puh…ich frage mich wirklich, woher dieser ungebrochene Glauben an die große Liebe bis in alle Ewigkeit und diese Naivität kommt.
Bei Scheidungsraten von knapp 40%, rund 2,76 Millionen Alleinerziehenden (davon ca. 2,15 Mio Frauen), einem (unbereinigten) Gender Pay Gap von 39%, Alterseinkünften von Frauen, die fast ein Drittel niedriger sind als jene von Männern und einem Steuersystem, das in der Regel dazu führt, das Verheiratete gegenüber Unverheiratenen besser gestellt sind, jedoch unter´m Strich in den meisten Fällen zu einer Besserstellung der Männer führt, sei die Frage berechtigt.
Und ich kann jenen mit einem Ehevertrag versichern: wenn der Vertragspartner sich weigert, einen Vertrag zu erfüllen und auf Abänderung klagt, ist dieser Ehevertrag für die Tonne. Es sei denn, man verfügt über viel Vermögen, so dass einem die jahrelangen teuren Rechtsstreits nichts anhaben, aber das dürfte in den seltensten Fällen zutreffen.
Und es ist ja auch keineswegs so, dass die rund 60% Ehen, die nicht geschieden werden, allesamt glücklich sind und die Frauen darin NICHT von all der Ungleichheit und Ungerechtigkeit unseres Systems betroffen wären.
Ganz im Gegenteil: genau dieses Ungleichgewicht ist sogar häufig der Grund dafür, dass die Ehe krampfhaft aufrecht erhalten wird, sei sie auch noch so zerrüttet.
Dies ist sogar bei sehr vielen Frauen der Fall, vor allem dann, wenn Kinder im Spiel sind. Kinder sind der primäre „Kitt“, der auch die größte Eheruine zwanghaft zusammenhält. Denn zum einen wollen die meisten Frauen ihren Kindern nicht zumuten, zum Scheidungskind zu werden, und viele verharren selbst dann noch in einer Art Illusion von Familie, wenn man sich als Paar schon lange nichts mehr zu sagen hat oder die verbalen Fetzen fliegen - von weiteren Formen von Gewalt in der Ehe ganz zu schweigen. Ich kenne auch Frauen, die sagen „Wenn die Kinder volljährig sind, dann gehe ich.“ Das sind die Frauen, die es sich dann zumindest vielleicht leisten können, zu gehen, also über hinreichend eigenes Einkommen oder/und Vermögen verfügen.
Das trifft jedoch auf die wenigsten zu, und die anderen wissen genau: Wenn ich mich trenne, erwartet mich in der Regel noch mehr Stress und Belastung, ich werde es noch schwerer haben, alles unter einen Hut zu bekommen, ich werde mit kleinen Kindern nur schwer bis gar nicht ins absichernde Arbeitsleben finden, ich werde die Kinder aus dem schönen Haus und ihren schönen Zimmern reißen müssen, wir werden uns keinen oder nur noch einen sehr kurzen Urlaub leisten können, die teuren Markenklamotten und das neueste Handy werden auch nicht mehr drin sein …es sei denn, alles läuft finanziell fair und gerecht und respektvoll weiter wie bisher, und man trägt im Verhältnis zum eigenen Einkommen zum Unterhalt und Leben der Kinder bei.
Was jedoch in der Praxis quasi nie der Fall ist. Ist die Liebe vorbei, werden gerade Kinder häufig zum Kollateralschaden, vor allem wirtschaftlich.
War vorher immer reichlich Geld da, wird nun von sehr vielen Hauptversorgern (denn dieses Modell überwiegt noch immer) der Unterhalt verweigert oder nur schleppend oder weniger als nötig gezahlt, weil die Kinder scheinbar nur dann ein Anrecht auf angemessene Unterstützung haben, wenn man als Familie zusammen und die Frau und Mutter also unter dem eigenen Dach lebt. Wird dieses Modell beendet, womöglich noch dazu durch die Frau, herrscht plötzlich chronisch Ebbe auf dem Konto, selbst beim CEO, und die Frau verprasst den Kindesunterhalt ja eh nur für sich selbst.
Gab es vorher regelmäßig Streit darüber, dass die Kinder soviel kosten, „kosten sie doch plötzlich gar nix mehr“, und jede Forderung für was auch immer ist sowieso übertrieben, unberechtigt und unnötig. Und überhaupt könne die Frau ja schließlich auch arbeiten gehen - unbesehen dessen, dass sie es war, die in gemeinsamer Absprache die eigene Laufbahn aufgegeben und für die Kinder gesorgt hat, was dem männlichen Part sehr entgegen kam, denn schließlich verdiente er ja eh schon erheblich mehr und hatte eine vielversprechende Karriere in der Mache. Alles lief super.
Nicht selten führen Väter nach einer Trennung einen regelrechten psychologischen und wirtschaftlichen Krieg gegen die Mütter ihrer Kinder, und somit auch gegen die Kinder.
Betroffene Frauen wissen, wovon ich rede.
Nicht betroffene Frauen wissen es (noch) nicht und gehen auch oft nicht davon aus, dass sie es jemals erfahren werden.
Es gibt quasi vier Lager.
Die Verheiratenen, die unerfreulich Geschiedenen, die (wenigen) harmonisch Geschiedenen und die Jungen, die sowieso alles anders machen wollen (um es dann häufig doch genau so zu machen, wenn Mr. Right plötzlich vor ihnen steht).
Was uns Frauen fehlt, ist die uneingeschränkte Solidarität von Frauen mit Frauen, unabhängig davon, ob sie dieselben Erfahrungen gemacht haben wie andere oder nicht oder ebenso hart von Ungleichbehandlungen oder Ungerechtigkeiten betroffen sind oder nicht.
Was uns Frauen fehlt, ist die geballte Stimme der Frauen, die wir zahlenmäßig zweifelsohne hätten, würden wir anders miteinander umgehen als es der Fall ist.
Stattdessen gibt es Lager und folgende denkbare Szenarien:
1. Nicht Betroffene sind auch nicht interessiert und halten sich raus.
2. Nicht Betroffene echauffieren sich über Betroffene.
3. Nicht Betroffene denken, dass sie eh nichts ausrichten können.
4. Nicht Betroffene sind ggf. die neue Partnerin des Expartners und agieren nun in Allianz mit ihm gegen die Expartnerin und somit ggf. auch gegen die Kinder des Partmers (und seiner Ex).
5. Nicht Betroffene kennen eine ganz schreckliche Exfrau, die selbst schuld daran war, dass er sie so behandelt hat und denken, es läge eh an der Frau.
6. Nicht Betroffene denken, dass die Frau ja wohl dieses oder jenes hätte tun oder lassen können, damit es nicht so weit gekommen wäre und geben irgendwelche „klugen Ratschläge“.
6. Betroffene Frauen denken sich, dass sie eh nichts ausrichten können.
7. Betroffene Frauen sind nur so lange solidarisch und engagiert, bis sie (endlich) nicht mehr allein / alleinerziehend sind, und danach tauchen sie wieder ab in die Menge der nicht Betroffenen.
8. Betroffene sind und bleiben solidarisch, seit sie eine bestimmte Erfahrung gemacht / eine Krise erlebt haben.
Letztere sind leider rar.
Das Patriarchat hat es ganz hervorragend hinbekommen, dass die Mehrzahl der Frauen in anderen Frauen zunächst grundsätzlich keine Verbündete, Freundin oder Mitstreiterin sieht, sondern allenfalls eine Geschlechtsgenossin, in vielen Fällen eher eine Konkurrentin oder sogar eine Feindin.
Und das bezieht sich nicht ausschließlich auf Liebesbeziehungen.
Revierkämpfe und Konkurrenzgebaren unter Frauen finden sich auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Miteinanders. Das ist historisch bedingt und scheinbar so tief in unsere DNA gesickert, dass wir es häufig nicht einmal bemerken oder sehen, selbst wenn es uns anspringt.
Viele getrennte / geschiedene Frauen können von denselben irritierenden Erfahrungen berichten, wonach sie plötzlich durch eine Scheidung regelrecht ihr bisheriges soziales Umfeld verloren haben, von Bekannten nicht mehr eingeladen wurden und speziell Frauen sich von ihnen distanzierten.
Die Frau, die plötzlich wieder auf dem Markt ist, passt der verheirateten Frau nun nicht mehr in den jahrelang sorgfältig kuratierten Freundeskreis aus Pärchen mit ähnlichem Status, ähnlichen Themen, ähnlich alten Kindern und ähnlichem Lebensstil, und das Gleichgewicht wäre durch eine Einzelperson empfindlich gestört. Außerdem pflegt man ja noch einen guten Kontakt zum Exmann, der einem ja schließlich nichts getan und jüngst erst so toll beim Möbeltragen geholfen hat. Und schließlich stellt die frisch gebackene wieder Single-Frau eine Konkurrentin dar, die womöglich im eigenen Gatten Trost und einen neuen Versorger für sich und ihre Kinder sucht (erst recht, wenn mit dem Ex gestritten wird), und schlussendlich steht eine geschiedene Frau inoffiziell noch immer als Sinnbild für das Scheitern des Idealbildes einer Mutter, die ihre Familie gegen Wind und Wetter zusammenhält. Scheitert ein Ehe, ist in vielen Köpfen bis heute vor allem die Frau gescheitert, die es nicht vermochte, ihren Gatten „zu halten“.
Und für andere Singlefrauen ist eine weitere Singlefrau natürlich sowieso eine Konkurrentin.
Und während die Männer ihrem frisch geschiedenen Buddy bei zwei, drei Bier tröstend und verstehend auf die Schulter klopfen und der ein oder andere beinahe ein wenig neidisch ist, entsteht um die geschiedene Frau herum häufig eine Art Bannkreis.
Derweil geschiedene Männer auch häufig sofort etwas Neues am Start haben (eine, die sie endlich versteht), brauchen Frauen in der Regel lang bis länger, um all die Enttäuschung und den gesamten Rattenschwanz, den eine Scheidung häufig für sie ganz besonders mit sich bringt, erst einmal zu verdauen und wieder zu Energie zu kommen.
Hinzu kommt, dass die meisten Kinder nach einer Scheidung bei ihren Müttern leben (weil die sich ja eh in den vergangenen Jahren meist schon um all den Kinderkram gekümmert hat), was natürlich zusätzlich die eigene Heilung und Weiterentwicklung einschränkt, während Papi hinreichend Energie (und Geld) für neue Abenteuer und häufig auch für jahrelange verbissene Rechtsstreits hat.
Und dann heißt es nicht selten: „Mensch, der (…) blüht ja richtig auf seit seiner Scheidung, aber die (…) zieht sich immer weiter zurück und wirkt immer so sauertöpfisch, kein Wunder, dass er sich getrennt hat.“
Selbst, wenn SIE diejenige war, die sich getrennt hat - oder nein:
Ganz besonders dann, WENN sie diejenige war, denn dann sorgt das gekränkte Ego des Mannes sehr häufig dafür, in den Krieg und dabei alle Register gegen die undankbare Ex zu ziehen, so dass sie mehr und mehr hinter Alltag, Kindern, Mehrfachbelastung, Klagen, Geldsorgen und womöglich noch Verleumdungen und institutionellen Einmischungen verschwindet, während er blüht, gedeiht und weiter marschiert, als wäre es nie anders gewesen.
Und irgendwann, nachdem sie sich wieder einigermaßen berappelt hat, fängt sie an zu recherchieren und stellt fest, dass sie mit dem Erlebten nicht allein ist. Dass es da auch noch andere gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Frauen mit ähnlichen Geschichten wie der ihren tummeln sich auf Instagram, sie haben Podcasts, sie schreiben Bücher. Und sie verschlingt diese Bücher, denn sie tun ihr gut. Auch wenn sich ihre Situation nicht verändert, aber sie fühlt sich nicht mehr so allein.
Und als ihre Freundin ihr erzählt, wie unglücklich sie in ihrer Ehe ist, sagt sie:“ Dann trenn dich doch von ihm!“
Und die Freundin erwidert „Damit es mir dann genau so geht wie dir? Nee du, lass mal. Das wird schon wieder. Ich kann mich ja auch eigentlich nicht beklagen. Er verdient gut, ich muss nicht arbeiten, er hilft auch mal im Haushalt mit, er spielt mit den Kindern, wir haben ein schönes Haus…hin und wieder rastet er mal aus, aber naja, er schlägt mich ja schließlich nicht oder so. Ich meine, schau dich doch an, wie sehr sich deine Situation und deine Laune seit der Scheidung verschlechtert hat. Nee du, das will ich nicht.“
Und daraufhin sagt die geschiedene Frau nichts mehr.
Stattdessen sie geht nach Hause und liest noch´n Buch.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen