MEIN TANZBEREICH, DEIN TANZBEREICH


Das Verb „tolerieren“ stammt vom lateinischen Wort „tolerare“ = „erdulden“ oder „ertragen“.
Noch nie ist es der Menschheit wirklich erdumfassend gelungen, tolerant zu sein.
Den anderen einfach sein zu lassen, wie er ist.
In seinem Aussehen.
In seinem Verhalten.
In seinem Denken, seiner Gesinnung, seinen Überzeugungen, seinen Traditionen, seinem Glauben.
Warum nur fällt es der Menschheit aber so schwer, die/das "Andere(n)" zu tolerieren?
Dicke, Dünne, Männer, die Frauen, Kinder, Arme, Republikaner, People of Color, Lesben, Drag Queens, Katholiken, Buddhisten, Arbeitslose, Karrieristen, Tätowierte, und, und, und....
Die Menschen sind vielfältig und bunt.
Und was ist schon "normal" und damit "richtig"?
Wer setzt die "Normen"?
Was ist nötig für Toleranz?
Was fehlt?
Gibt es überhaupt eine Antwort auf diese Fragen?
Was wäre, wenn die Weltbevölkerung einander tolerierte und akzeptierte und alle in friedlicher Koexistenz auf unserem Planeten weilten?
Ist das überhaupt erstrebenswert und praktikabel?
Living in perfect harmony?
Liegt Intoleranz in unserer Natur?
Oder oder ist sie gar vielleicht sogar in Teilen künstlich erzeugt und erwünscht?
Huiiii...gewagt, oder?
Gewagte bis ein Kopfschütteln hervorrufende Behauptungen fliegen seit 2020 zahlreich durch den virtuellen und analogen Raum, dass einem der Kopf schwirrt.
Corona hat nicht nur unser aller Belastbarkeit, sondern auch unsere Fähigkeit zur Akzeptanz und Toleranz ganz erheblich auf die Probe oder bloß gestellt.
Paare, Familien, Eltern und Kinder waren während der Anfangsphase plötzlich zeitweilig gezwungen, 24/7 zusammen zu sein und einander mit allen Ecken, Macken, Kanten, Schwierigkeiten und Wehwehchen auszuhalten...zu "tolerieren". 
Alle müssen seitdem die von den Regierungen getroffenen Entscheidungen aushalten.
Befürworter müssen Protest und Verschwörungstheorien aushalten.
Verschwörungstheoretiker müssen hinnehmen, dass man über sie spottet und - wie sie es sehen - bestimmt.
Alle müssen akzeptieren und tolerieren, dass in der Pandemie schlussendlich alle gleich sind und das Leben nicht vollends planbar und kontrollierbar ist.
Toleranz.
Eigentlich geht es doch nur darum, etwas zu dulden, auszuhalten. Man muss es nicht gut finden. Nur aushalten.
Was braucht man, um etwas auszuhalten? 
Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn einige scheinbar so wenig aushalten?
Sich einander Raum geben. 
Verständnis für den anderen aufbringen. 
Verständnis setzt Verstehen voraus, und da liegt ja vielleicht ein Problem.
Was man nicht versteht, kann nicht mit den eigenen Werten in Einklang gebracht werden, und wenn dies der Fall ist, kann es nicht toleriert werden.
Aber warum kann diese Intoleranz nicht einfach nur ein Gedanke sein, sondern in vielen Fällen zum aktiven Handeln führen, das andere gefährdet oder schlimmstenfalls tötet?
Was ist es, das einige so sehr in ihren Überzeugungen stört, dass sie Andersdenkende oder anders lebende verletzen ihnen schaden oder sie gar auslöschen wollen?
Was genau wird damit gelöst?
Intoleranz bedeutet meines Erachtens einen Anspruch auf die Wahrheit zu erheben, die einzige Wahrheit. 
Aber so ist die Welt nicht.
Nicht nur schwarz und weiß.
In der Regel entstehen aus Intoleranz weitere, neue Probleme.
Momentan beschleicht mich das Gefühl, dass wir uns in einer Art Spirale befinden.
Intoleranz und Unverständnis erzeugen Gräben. 
Auf den unterschiedliche Seiten dieser Gräben wächst der Unmut zunehmend, je weniger sachlicher Austausch statt findet.
Es ist ja auch niemand da, der das Ganze moderieren wollte oder könnte.
Bestimmte Anhänger fixieren sich immer stärker auf ihre Überzeugungen, einige radikalisieren sich gar.
Neulich hörte ich, dass man Verschwörungstheoretiker gar nicht überzeugen KÖNNE, selbst wenn man es versuchte.
Die Intoleranz wird derweil größer und größer.
Inzwischen auch bei den Toleranten.
Es wird immer schwieriger, sich anzunähern oder es irgendwie richtig zu machen.
Das Krasse ist, dass die Intoleranz immer weitere Teile der Gesellschaft und Lebensbereiche erreicht und hier spaltet. Verständnis, Menschlichkeit kann oft nicht mehr viel ausrichten.
Es bräuchte so etwas wie das gute alte "Das hier ist dein Tanzbereich, und das hier ist mein Tanzbereich" aus Dirty Dancing geben. Erinnert ihr euch?
Es könnte doch so einfach sein.
Einfach jedem seinen Tanzbereich lassen, ohne den eines anderen zu durchqueren oder ihm auf die Füße zu treten.
Ich tanze jedenfalls weiter. 
Als wär's der letzte Tanz.
Und 2022 tanzen wir vielleicht wieder alle zusammen, wild durcheinander, treten uns gegenseitig auf die Füße und finden es ganz GROSSARTIG!












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