Die Sache mit der Vielfalt
Meine Tochter erzählte mir kürzlich folgendes:
Eine ihrer Klassenkameradinnen hatte in einer Deutschklausur eine Zwei geschrieben.
Als sie nach Hause kam, erzählte sie dies ihrer Mutter, die zunächst äußerst erfreut und stolz auf die gute Note reagierte. Dann fragte sie, was denn die anderen Schüler* so für Noten gehabt hätten. Die Tochter berichtete wahrheitsgemäß, dass einige Klassenkameraden* gleich gut abgeschnitten und zwei weitere eine Eins gehabt hätten, woraufhin die Mutter mit enttäuschter Miene und verärgertem Unterton fragte: „Und wieso hast du bitteschön keine Eins?“
Diese kleine Geschichte hat mich sehr traurig gemacht, spiegelt sie doch sehr deutlich das, was ich seit einiger Zeit zunehmend beobachte und das mir wirklich Sorgen bereitet.
Wo man hinschaut, scheint der dominierende Gedanke der zu sein, Erster, Bester, Einziger, schneller, reicher und vor allem im Recht zu sein, egal in welchem Kontext.
So wie es in Diskussionen zunehmend zugeht, nämlich vorwiegend schwarzweiß, so scheint es auch in vielen Familien, in der Schule und, ja, auch in der Politik zuzugehen.
Es scheint kaum mehr Optionen, eine Mitte, bunt, grau oder so etwas wie einen gesunden Durchschnitt zu geben, sondern alles und jeder wird auf Optimum getrimmt.
Und wer oder was da nicht mithalten kann, gilt nicht.
Nur das Beste ist gut genug und alternativlos.
Das ist, zugegeben, vielleicht etwas überspitzt, aber so falsch dann doch wieder nicht.
Nehmen wir den Verfall der Bildungsvielfalt:
(dass ich Schule, so wie sie hierzulande überwiegend gemacht wird, generell nicht besonders schätze, soll hier mal kein Thema sein)
Seit einigen Jahren wollen die meisten Eltern ihre Kinder nur noch auf dem Gymnasium sehen, egal, wie die schulischen Leistungen sind, wie die Einschätzung der Lehrer ist und wie sehr sich ein Kind dort möglicherweise auch quälen mag.
Der einzig wahre Schulabschluss scheint das Abitur zu sein.
Real- oder gar Hauptschulabschluss sind inzwischen so etwas wie ein Makel.
Was bedeutet das für ein Kind?
Hohe Anforderungen, Lerndruck, Notendruck.
Stress vom ersten bis zum letzten Schultag.
Und vor allem: Selbstverleugnung!
Es soll etwas erreichen, jemand sein, der sie nicht sind.
Das allein suggeriert bereits: Du bist nicht OK so wie du bist.
Und was, wenn es den Anforderungen schlussendlich nicht gewachsen ist?
Ein Gefühl von Versagen. Ein gesellschaftliches Stigma.
Ich bin nicht gut genug.
Ich bin nicht gut genug.
Ich schaffe es nicht.
Andere sind besser als ich.
Oder nehmen wir den Kindergarten.
Immer mehr Eltern schicken ihren gerade den Pampers entwachsenen Nachwuchs in eine leistungsorientierte sprachliche oder musikalische Frühförderung, um ihm den Weg in eine erfolgreiche Zukunft bestmöglich zu ebnen.
Auch bei den Hobbies ihrer Kinder sind viele Eltern sehr ambitioniert.
Klavier ist Pflicht, und beim sportlichen Wettkampf entwickeln so manche Mutter oder Vater mehr Ehrgeiz als der Nachwuchs.
Das zieht sich bis in den privaten Bereich, wo man sich regelmäßig mit dem Entertainment-Programm auf dem Kindergeburtstag überbietet.
(Von den in den USA üblichen Misswahlen für Kinder ab drei Jahren, bei denen es den zumeist ehrgeizigen Müttern, deren Kinder das alles natürlich absolut gerne und freiwillig machen, sind wir hierzulande Gott sei Dank- NOCH - entfernt)
Spätestens in der Grundschule beginnt dann nach einer kurzen Aufwärmphase das Wetteifern um die besten Noten, und die Nachhilfeanbieter lachen sich ins Fäustchen, denn es geht längst nicht mehr darum, aus einer Fünf eine Drei, sondern aus einer Zwei eine Eins zu machen.
Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, sind Spiel, Spaß und Freude und eine altersgerechte Möglichkeit, Dinge durch Erfahren selbst zu erlernen, zu reifen und zu wachsen und ein Selbst-Bewusstsein auszubilden.
In der Pubertät gerät für Schüler* überdies nicht selten die Schule ins Hintertreffen, dafür gewinnt der Wunsch nach Selbstoptimierung mehr und mehr die Oberhand.
Pubertät war schon immer eine Phase der Selbstzweifel und Selbstfindung.
Aber heute muss der Druck schier unerträglich sein, denn es muss noch dünner, noch hübscher, noch cooler, noch teurer sein.
Die vermeintlichen Schönheitsideale sind gesetzt, lachen einen von allen Kanälen an (und gefühlt aus), und Vergleichsmöglichkeiten bieten sich dank Social Media mehr als das schwache Ego ertragen kann.
Wer schließlich die begehrte Hochschulreife erlangt, weiß, dass es häufig nicht nur um den Numerus Clausus geht, sondern auch um die Frage, WAS für eine Hochschulreife man hat – die, die weniger wert ist (Fachhochschulreife) oder die, die mehr wert ist (Allgemeine Hochschulreife) – zumindest, wenn es um eine Zugangsberechtigung zum Wunschstudienfach geht.
Allein der Numerus Clausus ist in meinen Augen eine höchst fragwürdige Angelegenheit, denn jeder weiß, dass ein Abitur mit 1,0 beispielsweise noch lange keinen guten Arzt macht.
Ein Einser-Abi ist aber heutzutage nicht mehr die Ausnahme.
Wie kommt´s? Sind alle soviel klüger als früher?
Mitnichten.
Es gibt heute einheitliche Abi-Prüfungen, Lehrer beklagen das allgemein gesunkene Niveau und das Engagement (und die Investitionen) einiger überehrgeiziger Eltern sind mitunter enorm hoch.
Die Schüler* sind nicht besser geworden, sondern die Bedingungen.
Eine mir bekannte Lehrerin sagte kürzlich, dass sich das Niveau exakt um ein Level abgesenkt habe – das bedeutet, ein Großteil der Gymnasiasten waren vor ca. 10 Jahren noch an einer Realschule, und an den Realschulen finden sich heute die Hauptschüler von früher.
Und die Hauptschüler? Haben verloren, bevor sie überhaupt eine echte Chance hatten.
Alle streben an die Gymnasien und Hochschulen, und nur die Besten haben eine Chance auf Erfolg, Ruhm, Ansehen und Macht.
Und das, obwohl unsere Bildungslandschaft auf Vielfalt und Durchlässigkeit ausgerichtet ist und eine zumindest theoretische Möglichkeit bietet, sich nach den eigenen Stärken und Interessen zu orientieren und zu entwickeln.
Die Frage ist: Wie viele von jenen, die so hoch hinaus streben, schaffen es dann tatsächlich, den anvisierten Platz in der Gesellschaft zu erhaschen?
Wie viele gehen vorher im System unter oder müssen kapitulieren?
Wie viele gehen vorher im System unter oder müssen kapitulieren?
Wie viele bleiben nervlich, gesundheitlich auf der Strecke?
Im Oktober 2018 meldete die FAZ, dass rund ein Drittel der Studierenden das Studium vorzeitig abbrechen.
Überforderung, Krankheit, Geldmangel, Heimweh werden häufig als Abbruchkriterium angegeben.
Laut einer breit angelegten Studie von Heublein vom vergangenen Jahr ist die in allen Fächern dominierende Ursache von Studienabbrüchen vor allem der Stoff, die Prüfungen und der Leistungsdruck. Dreißig Prozent der Studienabbrecher gaben Leistungsprobleme als Grund für den Abbruch an.
(Quellen: FAZ online 3.10.2018,10:25, MOZ online 6.2.2019,9:08)
Die Anforderungen und der Druck sind enorm hoch.
Und das bei sehr vielen von klein auf.
Gleichzeitig soll das Rentenalter heraufgesetzt werden.
Aber nicht nur Ottonormalverbraucher feilt zwischen einer zunehmend schwarzweißen Welt am erreichbaren Optimum.
Ganze Länder konkurrieren um wirtschaftliche und politische Machtstellungen.
Unternehmen wetteifern um Marktanteile, Wachstum und Profit.
Profit ist überhaupt das Zauberwort.
Was mir nichts bringt, nein, falsch…was mir nicht MEHR bringt, das kann weg.
Wir wohnen nicht mehr in unserem Körper, sondern wir wollen ihn beherrschen.
Fit, schlank, makellos, forever young.
The only way is up.
Unsere Umwelt, unser Lebensraum wird ausgequetscht wie eine Zitrone für noch mehr Konsum und noch mehr Profit.
Die Natur wird missachtet, und Tiere haben keine Rechte.
Apropos: Auch hier wird zunehmend an der Optimierung gearbeitet.
Noch mehr Fleisch am Huhn, noch resistentere Pflanzen und Kinder nach Wunsch.
Der Mensch spielt zunehmend Gott.
Und geht es nicht darum, noch geiler zu werden, dann muss es wenigstens am billigsten sein.
Wir haben nie genug, und wir sind uns nie genug.
Entweder wir wollen immer besser werden oder wir wollen immer und noch bessere Konditionen haben.
Schon kleine Kinder oder junge Mädchen leiden an großen Selbstzweifeln, machen Diäten, vergleichen sich nonstop, Teenager reden gar von Selbstmord.
Die Generation der Millenials scheint ganz besonders betroffen zu sein vom Drang nach permanenter Optimierung und Perfektionismus, denn sie sind in einer Welt groß geworden, wo Leben = Performen meint und der ständige Vergleich Alltag ist.
Alles ist möglich, Grenzen verschieben sich immer weiter.
Die Kehrseite sieht so aus:
Die Fälle von Magersucht haben in den Jahren 2000 – 2014 um 50% zugenommen (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Bei den Burnout-Erkrankungen sieht es genauso aus.
Die AOK meldet in den Jahren 2008-2017 eine Verdreifachung der Zahl an Krankschreibungen aufgrund der Diagnose „Z73“, unter welcher „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ zusammengefasst werden und unter der auch Symptome des Burn-Outs erfasst werden.
Wo Burnout früher noch die Erschöpfung durch eine Überlastung, ein Zuviel an Arbeit und Aufgabenbewältigung meinte und als „Managerkrankheit“ galt, trifft es heute immer jüngere Menschen, auch Schüler* und Studenten*.
Es ist nicht unbedingt so, dass die jungen Menschen heute so viel mehr tun müssen, sie sind jedoch einer anderen Art von Dauerbelastung ausgesetzt und vor allem dem permanenten Vergleich und dem damit einher gehenden Druck durch Gleichaltrige, Schule, Eltern und Gesellschaft.
Gleichzeitig haben sich vielerorts die Lebenswelten dahingehend verändert, dass Familienleben anders aussieht als noch vor zehn- fünfzehn Jahren.
Wo sich einerseits die Eltern zu viel reinhängen, mangelt es andererseits an Zeit, Empathie und echter Unterstützung, und so ist der Drang nach Selbstoptimierung bei vielen Kindern und Jugendlichen nicht selten das mitunter pathologische Ventil, um den Wunsch nach Liebe und Zuwendung zu stillen. Gleichzeitig fühlen sie sich selbst immer weniger, können ihren Gefühlen und Ängsten kein Gehör verschaffen.
Und es mangelt vielerorts am geeigneten Ausgleich.
Waren früher viele Kinder und Jugendliche nach der Schule draußen, um Freunde* zu treffen, hängen heute immer mehr entweder stundenlang über ihren Büchern oder vor dem Handy. (Eltern übrigens ganz genauso)
Weder das eine, noch das andere dient der Stärkung von Körper, Seele oder Ego.
Galt es früher als normal und erstrebenswert, eine ausgewogene Gesellschaft der Ober-, Mittel- und Unterschicht zu haben, was sich auch im Schulwesen und in der Ausbildung zeigte, so fehlt es heute gänzlich an einer Mitte, und da wo oben ist, befinden sich eh nur sehr wenige.
Auch die Ideale, Idole und Motivatoren haben sich so gänzlich verschoben.
Wenn jeder* Abitur machen und niemand mehr ein Handwerk erlernen möchte (oder soll), dann entstehen Lücken, Verschiebungen und Defizite.
Wir haben so viele Möglichkeiten wie nie zuvor und dennoch:
Es mangelt an Vielfalt, und das Überall.
Es mangelt an Vielfalt, und das Überall.
Wir preisen den Individualismus, und dennoch scheint es nur das eine Richtige zu geben.
Den einen richtigen Schulabschluss, die eine richtige Figur, die eine richtige Lebensweise, die eine richtige Überzeugung, die einzig richtigen Marken.
Den einen richtigen Schulabschluss, die eine richtige Figur, die eine richtige Lebensweise, die eine richtige Überzeugung, die einzig richtigen Marken.
Dieses Schwarzweißdenken, der allgegenwärtige Drang in nur die eine vermeintlich richtige Richtung und der permanente Optimierungs- und Maximierungswunsch überträgt sich meiner Meinung nach auf alle Ebenen und zieht Verhaltens- und Denkweisen nach sich.
Permanenter Zeitdruck, Rücksichtslosigkeit, Aggression und Egoismus breiten sich aus.
Das belegt auch eine Umfrage des Allensbach-Instituts unter 30- 59jährigen vom
12. September 2019, wonach 51 % angaben, dass sich die gesellschaftliche Stimmung deutlich zum Negativen verändert habe.
12. September 2019, wonach 51 % angaben, dass sich die gesellschaftliche Stimmung deutlich zum Negativen verändert habe.
Der Psychologe Dieter Frey führt die Verrohung, zunehmenden Narzissmus und sinkende Hemmschwellen unter anderem auch darauf zurück, dass es einen Wertwandel von den so genannten Pflicht- und Akzeptanzwerten hin zu den Selbstverwirklichungswerten gab, was Missverständnisse nach sich zieht. Viele meinen, Selbstverwirklichung sei gleichzusetzen mit Freizügigkeit und einem absoluten Recht auf Vorrang.
Achtung, hier komme ich, alle zur Seite!
Da, wo nur noch der Superlativ und Profit, Perfektion und Makellosigkeit gilt und sich alles um das eigene Universum dreht (während die Selbstverleugnung mehr und mehr zur Selbstentfremdung führt), und da, wo nur noch der Beste Anerkennung erntet und eine Chance verdient, leidet nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch die Toleranz.
Das Rechts- und Gerechtigkeitsgefühl der Menschen verändert sich.
Die Grenzen verschieben sich, und die Hemmschwellen sinken.
Mich wundert es zum Beispiel nicht, wenn wir vielerorts eine Zunahme an Ausgrenzungstendenzen und völkischer Polemik feststellen.
Mich wundert es nicht, wenn gesellschaftliche Vielfalt vielerorts immer weniger gewünscht ist, während auf der anderen Seite prozentual im Nullbereich angesiedelte kleine Gruppierungen dermaßen aggressiv auf ihre Rechte pochen, dass ihnen jedes Mittel recht ist und man den Eindruck bekommen könnte, es handele sich um die große Mehrheit der Weltbevölkerung, die hier so vehement Rechte einfordert.
Mich wundert es nicht, wenn selbst kleine Kinder schon übelst gemobbt werden oder antisemitische Parolen rausblasen.
Es erschreckt mich. Es macht mich betroffen. Es macht mich wütend. Und traurig.
Aber es wundert mich nicht.
Unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft muss es wieder gelingen, die Verhältnismäßigkeiten herzustellen.
Alle Menschen sind zunächst einmal gleich.
Kinder verdienen es, gehört, gesehen und nach ihren Möglichkeiten gefördert zu werden, nicht getriezt, gepusht und in eine Form gepresst.
Wir Erwachsenen ebenso.
Wir leben in einer so freien Gesellschaft mit Raum für Individualismus wie nie zuvor, und doch habe ich den Eindruck, dass die Mauer um uns herum damit immer höher wird.
Wir sind kein unterdrücktes, eingesperrtes Volk, sondern ein Volk von immer mehr isolierten Individualisten, die dennoch wie die Lemminge ein und demselben Ideal hinterher wackeln, und Anderssein hat keine Chance. Einer brüllt „hier ist richtig“, und alle machen mit - und automatisch sind alle anderen dann falsch.
Das „Anderssein“ meint aber eigentlich das „Ich-Sein“.
Bei all der Selbstoptimierung und dem Streben nach dem Einen, vergessen viele, dass es auch und vor allem eines bedeutet: nicht zu sich selbst zu stehen, zu dem, wie man aussieht, zu dem, was man selbst will.
Ständige Selbstoptimierung und Leistungsdruck kosten unendlich viel Energie.
Bei all der Selbstoptimierung und dem Streben nach dem Einen, vergessen viele, dass es auch und vor allem eines bedeutet: nicht zu sich selbst zu stehen, zu dem, wie man aussieht, zu dem, was man selbst will.
Ständige Selbstoptimierung und Leistungsdruck kosten unendlich viel Energie.
Energie, die wir besser in ein Miteinander investieren könnten und darin, glücklich zu sein.
Unsere Freiheit ist so kostbar.
Sie darf nicht vor allem darin bestehen, im Straßenverkehr zu drängeln oder andere bei Facebook ungestraft anzupöbeln und zu diskriminieren, nur weil sie nicht so sind oder denken wie wir.
Sie darf nicht vor allem darin bestehen, im Straßenverkehr zu drängeln oder andere bei Facebook ungestraft anzupöbeln und zu diskriminieren, nur weil sie nicht so sind oder denken wie wir.
Das ist vor allem keine Freiheit, sondern Meinungsdiktatur.
Und die Zahl der Meinungsdiktatoren wächst.
Schon Immanuel Kant bemerkte „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.“
Individualität und Vielfalt sind wertvoll.
Sie machen unsere Welt aus.
Es kann nicht erstrebenswert sein, alle gleich zu machen.
Menschen sind verschieden.
Und das dürfen sie zeigen.
Das darf man sehen.
Das hat man zu akzeptieren.
Nicht zu akzeptieren hat man jedoch, wenn der eigene Bereich dadurch eingeschränkt werden soll. Und das ist häufige Folge der neuen Wokeness. Es gibt nur ein „richtig“, und alles andere ist falsch und gehört ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht.
Das ist keine Demokratie.
Nicht jeder muss Abitur haben.
Nicht jeder muss dünn sein.
Nicht jeder muss Chef sein.
Nicht jeder muss dasselbe denken.
Nicht jeder muss dasselbe glauben.
Nicht jeder muss dasselbe essen.
Wo kein anderer zu Schaden kommt, ist alles erlaubt, ist alles OK, ist alles gut.
Jede Figur.
Jeder Schulabschluss.
Jede Berufswahl.
Jede Meinung.
Jeder Glauben.
Jede Gesinnung.
Toleranz und Respekt gegenüber unseresgleichen, unserer Erde und den Tieren muss wieder cool sein.
Cooler als Geld, cooler als Konsum, cooler als Technik, cooler als „Ich, ich, ich!“.
Und wenn wir einander wieder mit mehr Respekt und Toleranz begegnen, werden wir uns auch selbst wieder mehr annehmen als das, was wir sind.
Nämlich wir.
Einzigartig und besonders.
Mit all unseren vermeintlichen Ecken, Kanten, Schwächen und Fehlern.
Und nicht so wie alle.
Stromlinienförmig, glatt, glitzernd und kaum mehr zu unterscheiden.
Jeden von uns gibt es nur einmal.
Das ist verrückt.
Und ein Geschenk.
Und das sollte gefeiert werden – nicht verleugnet.
Und noch einmal möchte ich einen bekannten Philosophen zitieren.
Es war Jean Jaques Rousseau, der sagte: “Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“
Wir müssen uns wieder mehr trauen, nein zu sagen.
Nein zu dem, was wir sollen und ja zu dem, was wir eigentlich wollen.
Dass da nicht immer alles zusammen passt, das ist eben das Leben.
Dann geht man sich entweder aus dem Weg oder findet einen anderen, den man gemeinsam gehen kann.



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